Viele Erinnerungen wurden beim Ehemaligentreffen im Festzelt wieder lebendig

Der Bach als Freibad

Strahlen beim Wiedersehen im Festzelt: Inge Glaser aus Schwarzenhasel, links, und Rosemarie Lingnau aus Lohfelden mit ihrem Mann Edgar. Rosemarie Lingnau ist vor 52 Jahren aus dem Dorf fortgezogen. Ihre Erinnerungen verbinden sie bis heute. Für leckeren Kuchen bei dem Treffen sorgten die Landfrauen und andere gute Geister. Fotos: Dupont

Schwarzenhasel. Ihr Vater war ein unruhiger Geist. Nie hat er es allzu lang an einem Ort ausgehalten. Deshalb musste Rosemarie Spitzenberg ihr geliebtes Schwarzenhasel 1960 mit 14 Jahren verlassen und mit ihren Eltern nach Hann. Münden ziehen. Heute heißt sie Rosemarie Lingnau und wohnt mit ihrem Mann Edgar in Lohfelden bei Kassel.

Die 66-Jährige ist nur eine von 280 früheren Einwohnern, die am Donnerstagnachmittag am ersten Schwarzenhaseler Ehemaligentreffen teilnehmen. Aus ganz Deutschland sind sie angereist. Den weitesten Weg nahm ein ehemaliger Schwarzenhaseler auf sich, der seit Jahren in der Schweiz lebt.

Zu dem Treffen hatte der Heimatverein aus Anlass der 700-Jahr-Feier des Dorfes eingeladen. „Schwarzenhasel muss schöne Erinnerungen in sich bergen, sonst wären heute nicht so viele hier hergekommen“, sagt der Vorsitzende des Vereins, Ralf Wasssermann, zu Beginn der Veranstaltung.

„Du bist die Inge?“

„Sei gegrüßt, Rosel!“ Am Tisch von Rosemarie und Edgar Lingnau taucht eine Frau auf. „Du bist die Inge?“. Rosemarie Lingnau ist nur für einen Augenblick unsicher. Und dann wird wie an allen Tischen im Festzelt in der Kiste der Erinnerungen gekramt. Hände werden liebevoll gehalten, es wird gelacht und gegrübelt: „Wer ist denn der Herr da drüben, der kommt mir so bekannt vor?“

Inge Glaser (64) lebt schon immer in Schwarzenhasel. „Und das wird auch so bleiben, bis ich sterbe“, sagt sie und schmunzelt. Rosemarie Lingnau war etwa sechs Jahre in Schwarzenhasel, bevor sie mit 14 Jahren wegzog. Ihre Eltern bewirtschafteten den Bauernhof des Ziegeleibesitzers. Wenn die beiden erzählen, wird ihre Jugend in dem kleinen Dorf wieder lebendig.

Schulfrei für die Helfer

Auf dem Bauernhof haben die Kinder oft mit angepackt, das Vieh gefüttert, Rüben verzogen, Kartoffeln geernet. Wer helfen musste, bekam schulfrei.

„Unsere Klicke bestand aus sechs Mädchen“, erinnert sich Rosemarie Lingnau. Im Sommer hat die Dorfjugend den Hasel-Bach mit Brettern gestaut und zum Freibad umfunktioniert. Im Winter waren Schneeballschlachten und Schlittenfahren das Wichtigste. Am liebsten traf sich die Jugend vor dem Dorf. „Wir haben rumgealbert. Das war total harmlos“, erzählt die ehemalige Schwarzenhaselerin verschmitzt. Im Sommer pilgerten die jungen Leute zu jeder Kirmes im Haselgrund. „Zwei der Eltern liefen immer mit als Aufsicht. Und wenn’s nach Hause ging, dann ging’s nach Hause. Da hat keiner aufgemuckt“, weiß Inge Glaser noch ganz genau.

Eine Bluna was Besonderes

Zweimal im Jahr durfte der Nachwuchs mit dem Bus nach Rotenburg ins Kino fahren. Einen Fernseher gab es nur in der Gastwirtschaft. „Eine Bluna zu trinken, war damals schon etwas Besonderes.“

„Weißt Du noch...?“ Diese Frage wird im Festzelt am meisten gestellt. Das Stimmengewirr ist auch nach Stunden noch weithin zu hören. Wer jemals in Schwarzenhasel gelebt hat, dem gehen die Geschichten wohl nie aus.

Von René Dupont

Quelle: HNA

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