Drogenverfahren vor dem Schöffengericht eingestellt – Misstrauischer Staatsanwalt

Aussagen abgesprochen?

Bad Hersfeld. Behaupten wollte Staatsanwalt Christoph Wirth seinen Verdacht nicht, aber die Frage, ob der Hauptbelastungszeuge in einem Drogenverfahren vor dem Bad Hersfelder Schöffengericht seine Aussage mit dem Angeklagten abgesprochen habe, die stellte er schon.

Wirth fand es nämlich „auffällig“, dass beide Seiten von Anwälten der Fuldaer Kanzlei Karras vertreten wurden – der Zeuge in seinem eigenen Verfahren durch Fritz Kramer, der Angeklagte im gestrigen Prozess durch Hans J. Hauschildt.

Der Verteidiger verwahrte sich natürlich prompt gegen eine solche Unterstellung und bestand darauf, dass Wirths Misstrauen im Protokoll vermerkt wurde.

Tatsächlich war es zumindest merkwürdig, dass der Zeuge, ein 33-Jähriger aus Niederaula, im Gerichtssaal ausgerechnet in diesem einen Fall von seinen umfangreichen polizeilichen Angaben abrückte.

Denn dort hatte er noch reinen Tisch gemacht, hatte zahlreiche Taten gestanden und Namen genannt. Die Kooperation hatte ihm unter dem Strich eine Bewährungsstrafe eingebracht.

Von einem Drogengeschäft mit dem 34 Jahre alten Angeklagten, bei dem er 2010 200 Gramm Amphetamine im Wert von 1200 Euro auf Kommission erhalten habe, wollte der Zeuge nun jedoch nichts mehr wissen. Auch dass ihm der Dealer zwei Jahre später wegen der noch immer nicht beglichenen Schulden zwei Faustschläge in den Bauch verpasste, war dem Lageristen mittlerweile entfallen.

Seine Aussage bei der Kripo erklärte er nun mit seiner Drogen- und Spielsucht. Auch der Hinweis von Richter Michael Krusche, dass ihm nun entweder ein Verfahren wegen Falschaussage oder eines wegen falscher Verdächtigung drohe und damit auch die Bewährung in Gefahr sei, ließ den Zeugen kalt.

Das nun ziemlich aussichtslose Verfahren gegen 34-Jährigen wurde daraufhin eingestellt – allerdings im Hinblick auf ein weiteres noch ausstehendes Verfahren. Im März dieses Jahres war der Angeklagte nämlich bei einer Pkw-Kontrolle nahe Schweinfurt mit Haschisch erwischt worden.

Von Karl Schönholtz

Quelle: HNA

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