Eginald Schlattner liest im Imshäuser Herrenhaus

Ein Ausflug in die Vergangenheit

Eginald Schlattner

Imshausen. Mit nur wenigen, eindrücklichen Worten entstehen Bilder im Kopf, die einen so schnell nicht wieder loslassen: Eginald Schlattner war im Rahmen der Reihe „Imshäuser Gespräche“ zu Gast im Herrenhaus der Adam-von- Trott-Stiftung.

Der 79-Jährige las einige Passagen aus zweien seiner Romane und redete danach mit den Gästen über sein bewegtes Leben. „Meine Biografie ist abendfüllend“, sagte Schlattner gleich zu Beginn. Eginald Schlattner wurde 1933 in Rumänien geboren und ist der letzte deutsch schreibende und international rezipierte Schriftsteller, der nicht in Deutschland geboren wurde oder in Deutschland lebt. Seine drei Romane wurden in viele Sprachen übersetzt, zwei seiner Werke wurden bereits verfilmt, und auch „Das Klavier im Nebel“ soll noch auf die Leinwand kommen. In seinen Büchern schreibt Schlattner in autobiografischer Art über das Leben der deutschen Volksgruppen in Siebenbürgen in Rumänien zwischen den Jahren 1943 und 1960.

Eginald Schlattner wurde 1957 wegen Nichtanzeige von Hochverrat von der rumänischen Securitate verhaftet und zwei Jahre lang gefangen gehalten. „Ich hatte dort sieben Quadratmeter, man konnte nur drei Schritte auf und drei Schritte ab gehen“, so Eginald Schlattner über seine Gefängniszeit.

Nachdem er aus dem Gefängnis freigekommen war, arbeitete er als Tagelöhner in einer Ziegelfabrik und nahm sein Theologiestudium wieder auf. Bis zu seiner Pensionierung war er evangelischer Gemeindepfarrer in Gherla, wo er auch heute noch für die wenigen verbliebenen Siebenbürger Sachsen vor Ort ist. „Ich muss nicht ins Theater gehen, ich habe genügend Tragödien erlebt und jeden Tag ein bisschen Telenovela“, so Schlattner. (sb)

Quelle: HNA

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