Was die Augen nicht sehen - die Amigos in Rotenburg

Birgit und Uwe Schelhas: Sie hat ihm den Konzertbesuch zu Weihnachten geschenkt.

Rotenburg. Die Aufgaben sind verteilt: Während sich die Brüder Karl-Heinz und Bernd Ulrich hinter der Bühne die schwarzen Jackets mit Glitzerrändern überstreifen, in denen sie gleich als Amigos auftreten werden, stehen ihre Ehefrauen Doris und Heike am Halleneingang und verkaufen Fan-Artikel.

Das Publikum strömt in die Rotenburger Göbel Hotels Arena. Die Frage, ob die Amigos zuhause auch singen, hat Bernds Frau Heike schon oft gehört. „Zuhause“, erklärt sie, „sind die ganz normal.“

Die Amigos sind aber nicht nur zuhause ganz normal, sondern auch auf der Bühne. Sie sind unter Schlagerfans berühmt für ihre Bodenhaftung. Dass ihr Bühnenauftritt auch heute in Rotenburg ohne große Showelemente seitens der Künstler auskommt, ist Ausdruck dieser Natürlichkeit.

Zu den Artikeln, die Heike und Doris verkaufen, gehören neben Plüschbären mit Amigo-T-Shirt, CDs und blinkenden Leuchstäbchen auch Miniaturlastwagen mit dem Konterfei der Brüder. Eine Anspielung darauf, dass Karl-Heinz einst Kraftfahrer war, bevor der große Erfolg kam.

Die Brüder stehen in einigem Abstand zueinander und verändern ihre Position auf der Bühne im Laufe des Abends kaum. Karl-Heinz spielt eine weiße Gitarre, die übrigen Instrumente kommen vom Band, und Bernd übernimmt überwiegend den Gesang. Die rechte Hand ums Mikrofon geklammert, gestikuliert er mit der Linken, die zur Faust wird oder sich flehentlich öffnet. „Du bis wie Feuer im Vulkan“, singt Bernd mit schmachtender Stimme, oder: „Was die Augen nicht sehen, das musst du fühlen.“

Amigos treten in Göbel Hotels Arena auf

Auf der Halbrund-Leinwand hinter ihnen fallen derweil rote Herzen herab, Trauringe verschlingen sich ineinander, Blumen blühen auf grünen Wiesen am Vogelsberg. Zwischen den Liedern, wenn es ganz leise in der Halle ist, spricht Bernd zu den rund tausend Gästen: „Vergesst den Frust, vergesst die Benzinpreise!“ Oder er erzählt die schon zur Legende gewordene Geschichte von den zwei Brüdern, die zwei Garagen zum Tonstudio umbauten und Musik machten, obwohl von den Plattenfirmen nur Absagen kamen - bis 2006 der Erfolg kam.

Die Zuschauer feiern „ihre“ Amigos über zwei Stunden lang. Das Hitmedley ganz am Schluss lockt alle von ihren Sitzplätzen nach vorne zur Bühne, wo jeder, der mag, Bernd die Hand schütteln darf. (zmy)

Quelle: HNA

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