"Für dumm verkauft"

Architekt erhebt Vorwürfe gegen die Hersfelder Bauverwaltung

Hinhaltetaktik: Nach Ansicht des Investors könnte die Wohnanlage an der Eichhofstraße 2 in Bad Hersfeld längst gebaut sein. Er wirft der Bauverwaltung Schlamperei vor. Foto: Schönholtz

Bad Hersfeld. Schwere Vorwürfe erhebt der Alheimer Architekt und Investor Heinz-Wilfried Jähnert gegen die Bauverwaltung der Stadt Bad Hersfeld und insbesondere gegen Fachbereichsleiter Johannes van Horrick.

Bei der Baugenehmigung für die geplante Wohnanlage Eichhofstraße 2 habe man ihn „an der Nase herumgeführt und versucht, für dumm zu verkaufen“, erklärte Jähnert gegenüber unserer Zeitung.

Konkret wirft er der Behörde vor, ihn unter falschen Voraussetzungen zur Erstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplanes veranlasst zu haben, obwohl für diesen Bereich bereits ein rechtsgültiger Bebauungsplan existierte. Bauamtschef van Horrick widerspricht jedoch dieser Sichtweise und verweist auf den Denkmalschutz.

Heinz-Wilfried Jähnert

Seinen finanziellen Schaden beziffert Jähnert auf mehr als 25.000 Euro. Außerdem habe sich das Bauprojekt unverhältnismäßig verzögert. „Wir hätten schon 2012 bauen können, wenn wir von dem Bebauungsplan für den Stiftsbezirk gewusst hätten.“ Nachdem vor wenigen Tagen die Baugenehmigung endlich erteilt wurde, muss der Investor nun auf gutes Wetter hoffen und will im Januar loslegen.

Bauamtsleiter van Horrick kritisiert er wegen dessen „Hinhaltetaktik“ bei dem Vorhaben, auf dem Gelände der ehemaligen Firma Wölbing einen Neubau mit neun Wohnungen zu errichten sowie den Altbau an der Ecke Fulda- und Eichhofstraße für vier Appartements zu sanieren. Trotz mehrerer Umplanungen, trotz des seiner Ansicht nach überflüssigerweise gelieferten vorhabenbezogenen Bebauungsplanes und etlicher Besprechungen sei die Baugenehmigung nicht erteilt worden, klagt Jähnert.

Als er schließlich mit Hilfe eines Rechtsanwalts gegen die Stadt vorging und Akteneinsicht erhielt, wurde die Existenz des geltenden B-Plans bekannt. Hätte sich der Architekt mit seinen Plänen an die darin festgelegten Obergrenzen gehalten, so meint er, hätte ihm die Baugenehmigung ohne Weiteres erteilt werden müssen. „So kann man nicht mit Leuten umgehen“, sagt der Alheimer und spricht von „Versäumnissen“ und „Schlamperei“.

Unversöhnlich ist Heinz Wilfried Jähnert, der in Bad Hersfeld zuletzt die Wohnanlage in der Stresemannallee gebaut hat, jedoch nicht: Mit der Stadt hat er sich mittlerweile verglichen und trägt dabei auch den Großteil des Schadens selbst.

Das sagt der Bauverwaltungsleiter:

Architekt Jähnert blende mancherlei aus, kontert Johannes van Horrick, Leiter der Bad Hersfelder Bauverwaltung. Der bestehende Bebauungsplan habe bei dem Vorhaben zunächst keine Rolle gespielt, weil die Belange des Denkmalschutzes der Planung Jähnerts entgegen gestanden hätten. Zwei Bauanträge seien wegen Bedenken der Denkmalpflege, des Denkmalbeirates und der Stadtverordenten abgelehnt worden. Besonders vor dem ersten Bauantrag habe man sich offensichtlich nicht erkundigt. Es sei jedoch die Pflicht eines jeden Architekten, sich im Rahmen der Grundlagenermittlung über die Voraussetzungen zu informieren.

Auch in der jetzt genehmigten Form sei die Wohnanlage noch zu groß und nach Ansicht van Horricks „keine Bereicherung“. Im Übrigen hätte auch eine Berufung auf den bestehenden Bebauungsplan nicht automatisch eine Genehmigung bewirkt: „Die Stadt kann so einen Plan jederzeit ändern, wenn sie anderer Ansicht ist“, sagt van Horrick. Besonders dann, wenn die Interessen mehrerer Eigentümer zusammenstoßen, müsse die Planung angepasst werden. Daher auch der Wunsch nach einem Vorhabenbezogenen Bebauungsplan.

Von Karl Schönholtz

Quelle: HNA

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