Rund 200 Teilnehmer bei zentraler Mai-Kundgebung in Bad Hersfeld

Bad Hersfeld. Rund 200 Menschen haben am Mittwoch-Vormittag bei der zentralen Mai-Kundgebung am Lullusbrunnen in Bad Hersfeld „gute Arbeit, sichere Rente und ein soziales Europa“ gefordert. Vertreter aller Gewerkschaften des Kreises waren bei der Kundgebung vertreten.

Unter dem Motto: „Das ist unser Tag“ wurden die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bei Bratwurst, Bier und Mai-Bowle auf die zentralen Themen des Superwahljahres aus Gewerkschaftssicht eingestimmt. Mit einer flammenden Begrüßungsrede heizte Gewerkschaftssekretär Klaus Schüller die Stimmung an. „Was hier zur Zeit abgeht, ist nicht mehr nachzuvollziehen“, kritisierte er die als alternativlos dargestellte Politik der Bundesregierung. „Es gibt immer Alternativen“, rief er den Zuhörern zu. Schüller geißelte die zeitgleich stattfindenden Aufmärsche von Neo-Nazis in Frankfurt und Erfurt. „Das ist eine Schande für die Demokratie“, sagte Schüller unter dem Beifall der Zuhörer.

Hauptrednerin war dann die Geschäftsführerin von Verdi-Osthessen, Angelika Kappe. In einer sachlichen und mit vielen Zahlen fundierten Rede prangerte sie die Auswüchse auf dem Arbeitsmark an. Vor allem kritisierte sie Tarifflucht, Zeit- und Leiharbeit. Einen breiten Teil ihrer rund halbstündigen Rede nahm die Lage beim Internet-Versandhändler Amazon ein. „Von den 16 000 Beschäftigten in Deutschland haben 8000 einen befristeten Arbeitsvertrag“, sagte Kappe und widersprach damit den jüngsten, anderslautenden Angaben der Amazon-Geschäftsleitung.

Weil das Unternehmen nicht nach dem Versandhandelstarif bezahle, entgingen den Arbeitnehmern dort pro Kopf bis zu 9000 Euro im Jahr, rechnete Kappe vor. Dennoch sei das Unternehmen nicht bereit, Tarifverhandlungen aufzunehmen. „Daran hat auch der Besuch von Peer Steinbrück nichts geändert,“ sagte Kappe. Deshalb sei man dort jetzt zum Arbeitskampf bereit. „Niemand streikt wirklich gern“, stellte die Gewerkschaftlerin klar, aber der Druck auf Amazon sei nötig.

In ihrer Rede erinnert Kappe auch an die Lage im Einzelhandel, wo ein „ruinöser Verdrängungswettbewerb“ herrsche. Vor allem den vielen geringfügig Beschäftigten – meist sind das Frauen – drohe die „Prekarisierung“, warnte Kappe. Das deutsche Beschäftigungswunder sei eine „Mogelpackung auf dem Rücken der Frauen, sowie der jungen und alten Menschen“. Durch die Agenda 2010 unter SPD-Kanzler Schröder sei ein Niedriglohnsektor geschaffen worden, „in dem Arbeit arm macht“. Dies müsse jetzt korrigiert werden. Deshalb appellierte Kappe an die Zuhörer, unbedingt wählen zu gehen, um so mehr Gerechtigkeit auf dem Arbeitsmarkt zu erreichen.

Von Kai A. Struthoff

Quelle: HNA

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