Aktion gegen fremdenfeindliche Stimmung 

Ausstellung gibt jugendlichen Migranten ein Gesicht

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Multimediale Ausstellung im Bebraer Rathaus-Foyer: Unser Bild zeigt von links Elvira Idt (Netzwerk gegen Gewalt), Eva-Maria Acir (Jugendmigrationsdienste), Christina Kindler (Schulsozialarbeit Bebra), Ella Isaac (Internationaler Bund/IB), Elke Künholz (Erste Kreisbeigeordnete), Jens Mikat und Thorsten Zeige (Kinder-, Jugend- und Familienförderung beim Kreis), Jennifer Messina (IB) und Uli Rathmann (Stadtjugendpflege Bebra). 

Bebra. Mancher, der ausländerfeindliche Sprüche loslässt, kennt gar keine Menschen mit Migrationshintergrund. Die Ausstellung „anders? - cool!" gibt zugewanderten jungen Menschen ein Gesicht.

Am Montag wurde sie in Bebra eröffnet. Man möchte für das Thema sensibilisieren, erklären Ella Isaac vom Internationalen Bund Bad Hersfeld und Jens Mikat von der Kinder-, Jugend- und Familienförderung beim Kreis, die den Anstoß gegeben hatten. Zwei Wochen lang ist die multimediale Wanderausstellung der Jugendmigrationsdienste nun im Bebraer Rathaus zu sehen. Sie richtet sich vor allem an Schüler und andere Gruppen, die nach Anmeldung geführt werden. Rund herum haben die Verantwortlichen vom Workshop bis zu Filmen, einem Gottesdienst und einer Lesung mit Osman Engin einiges auf die Beine gestellt: Bis hin zum Fußballturnier und Argumentationstraining gegen Stammtischparolen. 

Gegen die fremdenfeindliche Stimmung von Pegida oder AfD sei die Schau gerade jetzt wichtig, betonte Erste Kreisbeigeordnete Elke Künholz. 102 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge werden zurzeit in Wohngruppen im Kreis betreut, 602 Kinder und Jugendliche leben in Familien, die geflüchtet sind. Auf Versäumnisse beim Thema Migration wies Elvira Idt vom Netzwerk gegen Gewalt hin. Hier werde das Thema von allen Seiten beleuchtet. Thorsten Zeige von der Kinder- und Jugendförderung beim Kreis erklärte, die Schau mache deutlich, dass es sich um Menschen handele und „nicht um eine Masse, die uns etwas wegnimmt“. Knapp 30 Prozent der Hessen haben heute einen Migrationshintergrund. Diese Zahl nannte Dr. Ingrid Wilkens vom Sozialministerium, die vor dem Eröffnungspublikum über den Integrationsmonitor des Landes sprach, bevor Eva Maria Acir (Jugendmigrationsdienste) durch die Ausstellung führte.

Wie eine Stadt von den Migranten profitiert, zeigt sich in Bebra. „Hier leben 60 verschiedene Nationen friedlich zusammen“, sagte Bürgermeister Uwe Hassl, und Uli Rathmann von der Stadtjugendpflege meinte, die vielen jungen Menschen „leben, arbeiten und investieren hier“. Der Aramäische und der Türkisch-Islamische Kulturverein - Christen und Muslime -- sorgten für kulinarische Genüsse am Rande der Schau.

Daniel Kör, Bebraner mit aramäischen Wurzeln, besingt sogar die Stadt, in der er aufgewachsen und die ihm ans Herz gewachsen ist. Der 28-Jährige bereicherte das Programm mit einer Mischung aus Hip-Hopp und Ballade, einer Hymne auf Bebra, die er mit den Worten eingeleitet hatte: „Für mich sind alle Menschen gleich.“

Am Dienstag, 10.Mai, hält Julia Bialek, Traumapädagogin, ab 17 Uhr im Rathaussaal in Bebra einen Vortrag über „Persönliche Schicksalsschläge von Flüchtlingen - Umgang mit traumatischen Erfahrungen“. Morgen liest Osman Engin ab 19 Uhr im Foyer des Einkaufszentrums „be!“. 

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Quelle: HNA

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