Wer hat im Wahlkampf überzeugt, wer nicht?

Analyse der Landratswahl: Keine echten Gewinner

Kein Grund zum Jubeln: Eher lange Gesicher machten die fünf Kandidaten zur Landratswahl 2015 bei der Wahlparty unserer Zeitung im Landratsamt. Unser Foto zeigt von links Alexander Sauer, Elke Künholz, Moderator Markus Pfromm von der HZ, Dr. Michael Koch, Werner David und Jörg Brand bei einer ersten Bewertung der Ergebnisse. Foto: Schaffner

Hersfeld-Rotenburg. Nach der Wahl ist vor der Wahl: Wer hat im Landratswahlkampf überzeugt, wer nicht? Eine Analyse von Kai A. Struthoff und Marcus Janz.

Am 29. März entscheiden die Wahlberechtigten zwischen Elke Künholz (SPD) und Dr. Michael Koch (CDU) über die neue Landrätin oder den neuen Landrat. Drei weitere Kandidaten sind bereits aus dem Rennen.

Elke Künholz 

Trotz ihres Amtsbonus als Erste Kreisbeigeordnete hat Elke Künholz im ersten Wahlgang nicht überzeugt. Im ganzen Wahlkampf wirkte sie angespannt, statt ihre Stärken und Erfolge herauszustellen, geißelte sie vermeintliche Fehler und Versäumnisse von Amtsinhaber Dr. Karl-Ernst Schmidt. Nur: Der steht nicht mehr zur Wahl.

Bei einigen ihrer Vorwürfe - etwa zur Ausstattung der Leitstelle - musste sie zudem Behauptungen zurücknehmen. Hinzu kamen Fehler und Ungereimtheiten im eigenen Zuständigkeitsbereich, wie bei der Bio-Tonne. Hier verfiel Künholz in Aktionismus, um sich als Macherin zu zeigen, obwohl sie sich damit nur angreifbar machte.

Obwohl Künholz die SPD vertritt, machte sich die lokale Parteiprominenz bei ihrem Wahlkampf auffällig rar. Sie scheint oft schlecht beraten, ihre Wahlwerbung wirkt hausbacken, und selbst prominente Sozialdemokraten verweigern ihr öffentlich die Gefolgschaft. Künholz muss in den nächsten Tagen viel Überzeugungsarbeit leisten.

Dr. Michael Koch 

Auch nach zehn Wochen des intensiven Wahlkampfs wissen viele Bürger immer noch nicht, wofür der CDU-Kandidat steht. Immer wieder betont er seine Ergebenheit gegenüber Amtsinhaber Schmidt, dessen Verdienste er rühmt. Sein einziger eigener Vorschlag, Arbeitsgerichtstage im Kreis Hersfeld-Rotenburg einzuführen, wurde von Parteifreundin Justizministerin Kühne-Hörmann vom Tisch gewischt. Sonst bleibt Koch blass, die markigen Worte und Attacken übernehmen seine Parteifreunde. So können viele ihre Wünsche und Hoffnungen auf den noch immer eher unbekannten Kandidaten projizieren. Trotz seiner Profillosigkeit profitiert der teilweise arg spröde wirkende Jurist von den Fehlern von Elke Künholz.

Getragen wird Koch von einem starken Team um Parteichef Timo Lübeck, Fraktionschef Herbert Höttl, Landrat Schmidt und der Landtagsabgeordneten Lena Arnoldt. Die vier fungieren als eine Art Familienersatz, denn seine Frau und Kinder hielt Koch selbst am Wahlabend strikt außen vor.

Alexander Sauer 

Der Bundeswehr-Offizier aus Niederaula darf sich als heimlicher Gewinner des ersten Wahlgangs fühlen. Mit klaren Aussagen, fairem Auftreten und dem ehrlichen Bemühen um Sachkompetenz konnte Sauer punkten - nicht nur in seiner Heimatgemeinde, die er klar gewonnen hat. Belastend dürfte für ihn seine Nähe zur AfD gewesen sein, die ihn vermutlich für manchen unwählbar machte. Auf jeden Fall hat Sauer Koch die entscheidenden Stimmen aus dem konservativen Lager im ersten Wahlgang gekostet. Eine Wahlempfehlung für Koch oder Künholz hat Sauer jedoch nicht abgegeben.

Jörg Brand 

Jörg Brand, der früher als Alleinunterhalter aufgetreten ist, konnte diese Rolle auch im Wahlkampf nicht ganz ablegen. Mit flotten Sprüchen aus der Mitte des Stammtischs konnte der durchaus sympathische FWG-Fraktionschef zwar dem Volk aufs Maul schauen, den Wähler aber letztlich nicht überzeugen. Für ihn gilt: Weniger wäre oft mehr.

Werner David 

Werner David hat sich als fairer Wahlkämpfer präsentiert, der sich allerdings oft in den üblichen Wirtschaftsphrasen der FDP erschöpfte. Sein Abschneiden ist wie erwartet, lediglich seinen Heimatort Oberbreitzbach konnte er gewinnen.

Lesen Sie auch

Leserforum Landratswahl: Kritik der Kandidaten am Finanzausgleich

Wahlbeteiligung etwa wie vor sechs Jahren

Landratswahl Hersfeld-Rotenburg: Stichwahl zwischen CDU und SPD

Quelle: HNA

Kommentare