Ralf Hilmes (SPD) einziger Kandidat für Bürgermeisterwahl am 12. August

Amtsstube statt Tatort

Fürs Foto eher mit Krawatte oder leger? Bürgermeister Ralf Hilmes – hier mit Lebensgefährtin Ute Griesche im Garten – entschied sich für die lockere Variante. Für die Wahl wünscht er sich eine rege Beteiligung, auch wenn es keine Gegenkandidaten gibt. „Daran kann ich messen, ob die Bürger mit meiner Arbeit zufrieden sind.“ Foto: Dupont

Nentershausen. Das Auto ist gepackt. Es geht ab in den Süden. Ute Griesche steuert den Wagen Richtung Frankreich. Ralf Hilmes, ihr Lebensgefährte, sitzt neben ihr, in Gedanken versunken. Auf dem Schoß einen Skizzenblock. Er hält mit dem Bleistift erste Ideen fest, wie der Vorbau vor ihrem Haus in Nentershausen aussehen könnte. Vom ersten Gedanken bis zum letzten Nagel will er den Bau selbst gestalten.

Diese Szene stammt aus einem anderen Leben von Ralf Hilmes, aus der Zeit, bevor er vor sechs Jahren zum Nentershäuser Bürgermeister gewählt wurde. Heute ist alles anders. Der letzte Urlaub mit seine Lebensgefährtin ist zwei Jahre her. Sein Beruf ist sein Leben. Und sicher ist auch das ein Grund dafür, dass er bei der Bürgermeisterwahl am Sonntag, 12. August, der einzige Kandidat ist. Die Nentershäuser SPD steht geschlossen hinter ihm.

„Wie eine Sucht“

„Eigentlich kann ich ihn nicht auf die Straße lassen. Denn dann kommt er nicht wieder“, erzählt Ute Griesche ein bisschen schmunzelnd und ein bisschen ernst zugleich. Wo immer er ist, wird er angesprochen. „Dieser Job ist wie eine Sucht“, bekennt der 47-Jährige freimütig. Und seine Lebensgefährtin nickt: „Wenn ihn mal keiner anspricht, ist das für ihn schon ein komisches Gefühl“.

Der 47-Jährige ist ein Mann, der seine Stärken kennt, aber auch zu seinen Schwächen steht. Zu Beginn seiner Amtszeit haben Bekannte ihm geraten, einen Rhetorik-Kurs zu belegen. Doch er hat sich bewusst dagegen entschieden. „Ich will mich nicht verstellen, nicht meine Identität verändern“, sagt Hilmes. Er schreibt seine Reden selbst. „Nur so können sie individuell und emotional werden.“ Geschwollen zu reden ist seine Sache nicht. Und er weiß: „Ich bin an meiner Aufgabe gewachsen.“

Täterjagd ist nichts für ihn

Hilmes ist ein Bürgermeister zum Anfassen. Der Preis für seinen Einsatz ist hoch. Ute Griesche hält ihm den Rücken frei. Sie managt neben ihrem Beruf Haushalt und Garten, begleitet ihn zu Terminen. In den Urlaub fährt sie mit einer Freundin.

Feierabend ist ein Fremdwort für ihn. Für Hobbys bleibt keine Zeit. Sich mit seiner Lebensgefährtin gemeinsam am Sonntagabend den Tatort anzusehen, dafür hat Hilmes keine Ruhe. „Dann fahre ich lieber nochmal zwei Stunden ins Amt“, erzählt er. Oder er grübelt nach, bei welchen Punkten die Opposition in der nächsten Gemeindevertretersitzung „scharf schießen“ könnte. Für die Täterjagd im Fernsehen ist sein Kopf nicht frei. Zum Pflichtprogramm aber gehören die Abendnachrichten und Talkshows zu brennenden Themen. Wer glaubt, das wäre übertrieben, um vor der Wahl gut dazustehen, der irrt.

Im Schlafanzug

Entspannt kann man Ralf Hilmes nur an manchen Sonntagvormittagen erleben. Dann kommt es vor, dass er sich bis Mittags im Schlafanzug im Wintergarten aufhält.

„Ich weiß, man kann im Leben nichts nachholen“, sagt der 47-Jährige. Aber er will es nicht anders. Seine Handy-nummer steht im Telefonbuch. Für die Bürger seiner Gemeinde da zu sein, das ist sein Leben.

Aus den Träumen reißen

Erholung holt sich Hilmes in der Nacht. „Liegen die Füße im Bett, schläft er auch schon“, berichtet seine Lebensgefährtin. Und wenn ein Bürger in Not mitten in der Nacht anruft, muss er es mitunter ein zweites Mal versuchen, bis er den „Chef“ aus seinen Träumen ins richtige Leben zurückgeholt hat. zur Person, wie gehts...

Von René Dupont

Quelle: HNA

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