Amelie Fried: Firmen müssen familientaugliche Arbeitszeiten anbieten

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Im Gespräch: Vor dem Sparkassen-Forum hatte Amelie Fried Zeit zum Interview mit unserer Zeitung. Die Fragen stellte Marcus Janz.

Bad Hersfeld. Vor ihrem Auftritt beim Sparkassen-Forum der Sparkasse Bad Hersfeld-Rotenburg stand Amelie Fried für ein Interview mit unserer Zeitung zur Verfügung.

Frau Fried, Sie waren 2007 schon einmal in Bad Hersfeld zu einer Lesung in der Buchhandlung Oertel. Die hat zwei Jahre später geschlossen.

Amelie Fried: Ich hoffe, ich war nicht schuld.

Das wollte ich fragen: Müssen wir uns Sorgen um die Sparkasse machen?

Fried (lacht): Ich sollte mir eher Sorgen um mich machen. Voriges Jahr war Herr Hoeneß hier und ist hinterher als Steuerbetrüger enttarnt worden. Herr Gauck wurde kurz nach seinem Auftritt hier Bundespräsident. Man weiß kaum, was schlimmer ist. Ich bin schon sehr gespannt, was mir passieren wird.

Sind Sie Sparkassenkundin?

Fried: Ja – und aus gutem Grund. Ich habe wie viele Anleger durch die Finanzkrise einiges verloren und einfach ein großes Misstrauen gegen die ganze Finanzbranche entwickelt. Dann habe ich gemerkt, dass es Institute gibt, die kommen etwas besser durch die Krise. Die haben eine Form der Seriosität und Bodenständigkeit, die mir wichtig ist. Deshalb habe ich einen Teil meines Geldes bei der Sparkasse angelegt.

Sie reden häufiger – auch bei Sparkassen und Volksbanken – über das Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Wie haben Sie beides in Einklang gebracht?

Fried: Ich habe das große Glück, einen ebenfalls freiberuflichen Ehemann zu haben, der zudem ein sehr partnerschaftlich orientierter Mensch ist. Und das hat auch immer gut funktioniert. Aber es war natürlich anstrengend, und ich finde, dass hierzulande nach wie vor zu wenig gemacht wird, um Familien zu unterstützen.

Also nicht nur Frauen?

Fried: Ich sage ganz bewusst Familien, denn das Thema wird ja gerne einfach den Frauen zugeschoben. In den Unternehmen richtet man dann ein nettes Teilzeitmodell für „unsere Muttis im Betrieb“ ein. Aber darum geht es nicht mehr. Es geht um ein komplettes Neudenken von Arbeit und Lebenszeit und Arbeitszeitkultur in den Unternehmen. Da muss sich wirklich viel verändern, damit auch Väter in den Genuss kommen, ihre Familien etwas häufiger zu sehen – und zugleich stärker ihre Pflichten wahrnehmen, als viele das bisher tun.

Sie arbeiten selbst freiberuflich. Wie soll das bei Festangestellten funktionieren, gegebenenfalls in Führungspositionen?

Fried: Die Unternehmen müssen einfach umdenken. Sie werden gut qualifizierte Fach- und Führungskräfte zukünftig nur finden und behalten können, wenn sie familientaugliche Arbeitszeitmodelle anbieten – und zwar für Männer wie für Frauen. Junge Kräfte suchen sich ihre Arbeitsplätze nach diesen Kriterien aus. Dem können sich die Unternehmen gar nicht entziehen. Ich bin optimistisch, dass sich etwas verändern wird – mit oder ohne Quote.

Vor ein paar Wochen haben Sie Ihr nächstes Buch fertiggestellt. Wie geht es Ihnen?

Fried: Oh, gut. Es ist toll, wenn man ein Buch fertig hat. Wenn es veröffentlicht wird, ist das ein bisschen, wie wenn man ein Kind bekommt.

„Traumfrau mit Lackschäden“ erscheint im Juni. Es ist die Fortsetzung ihres ersten Romans. Wie kam es, dass Sie die Hauptperson Cora nach fast 20 Jahren wieder aus der Schublade geholt haben?

Fried: Ich stand eines Morgens vor dem Spiegel beim Zähneputzen und dachte: „Ich hatte Dich jünger in Erinnerung.“ Und dann kam mir der Gedanke: „Was ist eigentlich aus Cora geworden?“ Das war, als würde ich an eine reale Person denken. Na ja, und um das herauszufinden, musste ich ein Buch schreiben. Ich bin selbst ganz überrascht über die Entwicklung, die sie gemacht hat.

Von Marcus Janz

Quelle: HNA

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