Bill Mockridge zeigte in Ellis Saal eine Revue über entspanntes Älterwerden

Alte, die immer jünger werden

Agil und witzig: Kabarettist Bill Mockridge bei seinem Auftritt in Ellis Saal. Foto: Kanngieser

Weiterode. Einmal nur, gleich zu Beginn, fiel das Wort „Lindenstraße“. Und dafür bekam der „Grandfather of Comedy und Geriatrie“ auch einen besonderen Applaus. „Das Alter ist wie die Lindenstraße“, sagte Bill Mockridge. „Jeder weiß, dass es sie gibt, aber keiner hat sie gesehen“.

So schmunzelte der Mann, der als Erich Schiller schon jahrzehntelang sonntags an Mutter Beimers Seite in der ersten deutschen Seifenoper eine äußerst gute Figur abgibt.

Mit seinem Gastspiel „Was ist, Alter“, zeigte der 65-jährige gebürtige Kanadier am Samstagabend in Ellis Saal allerdings, dass er auch anders sein kann. Ein nachdenklicher, witziger und stets scharfer Beobachter, ein geübter Analytiker, der als gewitzter Rhetoriker auch vor klischeehaften Lachbeschleunigern nicht zurückschreckt.

Mockridge hatte sich nach eigenen Angaben mit Beginn seines Rentenalters schlau gemacht. Hatte recherchiert in Kindergärten, Seniorenheimen, wissenschaftliche Untersuchungen gelesen und sich und seine Generation scharf unter die Lupe genommen. Das Ergebnis war diese kurzweilige und zuweilen recht scharfsinnige Revue über die Alten, die immer jünger werden, die Jungen, die „so spontan sind wie ein Stück Seife“ und zur „Vollkaskomentalität“ neigen.

Fein garniert hatte Mockridge seine Analysen mit Zuschauerspielen („Wer wird Pensionär“) und einem Quiz „Alt gegen Jung“. Hier musste beispielsweise der 28-jährige David Wagner passen, als Mockridge ihm die Frage stellte: „Was ist ein Bratkartoffelverhältnis?“. Auch der Blümchenkaffee war für David als jüngstem Zuschauer in Ellis Saal ein Begriff mit sieben Siegeln. Dafür hatte es die Generation 60-plus schwerer mit Begriffen wie Bluetooth oder Schachtelwirt (McDonalds). So entspann sich mit Mockridge ein schönes und intelligentes Verwirrspiel rund um das Alter.

Mal berührt, mal belustigt

Mockridge dirigierte seine Zuhörer durch Themenfelder, die sich meist um persönliche Anekdoten rankten. Wie kann ein Vater sich erholen, der mit sechs Söhnen, einer Oma, zwei Möpsen und einer Ehefrau auf Reisen geht? Wie schafft der Mensch im Ruhestand seinen immer stressigeren Alltag zu meistern? Das Publikum lachte, war belustigt und manchmal auch berührt.

Am Ende gab Mockridge noch Hilfe zur Selbsthilfe und eine Gebrauchsanweisung für ein entspanntes Älterwerden: täglich lachen, lieben, lernen, laben und laufen, lautete sein Geheimtipp. Das Lachen hat das Publikum an diesem Abend schon mal gut hingekriegt.

Von Susanne Kanngieser

Quelle: HNA

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