Ehrenamtliche Bewährungshelfer unterstützen Straftäter bei alltäglichen Dingen

Das alltägliche Leben meistern

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Engagieren sich ehrenamtlich in der Bewährungshilfe: Matthias Werner, Tanja Hartdegen und Bernhard Vollmann (von links). Das Team komplettiert Ulrike Vormbrock; weitere Mitstreiter sind willkommen.

Hersfeld-Rotenburg. Sich im Alltag zu bewähren, fällt vielen Straftätern schwer. Da kann selbst das Einkaufen oder das Einhalten von Terminen zum fast unüberwindbaren Hindernis werden. Unterstützung bieten der Verein „Förderung der Bewährungshilfe in Hessen“ und seine ehrenamtlichen Bewährungshelfer an.

Seit vergangenem Jahr gibt es auch in Bad Hersfeld eine solche Gruppe Ehrenamtlicher, die in Zusammenarbeit mit den Staatsanwaltschaften im Bezirk des Amtsgerichts Bad Hersfeld tätig werden. Koordiniert wird die Gruppe von Tanja Hartdegen.

Ulrike Vormbrock, Matthias Werner und Bernhard Vollmann sind die ersten, die seit Ende vergangenen Jahres als ehrenamtliche Bewährungshelfer im Einsatz sind. Ihre Probanden – so die offizielle Bezeichnung der straffällig Gewordenen – sind in der Regel Männer, viele sind wegen Drogen-, Diebstahl- oder Betrugsdelikten verurteilt worden, aber auch Gewalttäter können darunter sein.

Auf ihre Aufgabe werden die Ehrenamtlichen in mehreren Schulungen vorbereitet, in denen sie unter anderem Informationen zur Bewährungshilfe im Allgemeinen und zu rechtlichen Rahmenbedingungen erhalten sowie zu den Themen Nähe und Distanz oder Gesprächsführung. Auch über Möglichkeiten der Konfliktbewältigung werden die Ehrenamtlichen aufgeklärt. „Wir tauschen uns regelmäßig aus und teilen Erfahrungen und Tipps“, berichtet Hartdegen, die über einen Bekannten zu ihrem „Job“ kam.

Die ehrenamtlichen Helfer können und sollen die Arbeit der hauptamtlichen Bewährungshilfe nicht ersetzen, sondern unterstützen. Denn bei 80 bis 90 Fällen pro Bewährungshelfer fehle häufig die Zeit, Unterstützung im Alltag zu leisten, so Hartdegen. „Wir sind auch keine Kontrollinstanz wie die hauptamtliche Bewährungshilfe“, betont die Koordinatorin. Das Angebot der Ehrenamtlichen ist für die Probanden freiwillig.

„Die ersten Schritte sind schwierig, man muss erst mal Vertrauen aufbauen“, erzählt Matthias Werner von seinen Erfahrungen. Werner ist als Rechtspfleger am Bad Hersfelder Amtsgericht tätig und übernimmt dort immer wieder auch den Sitzungsdienst für die Staatsanwaltschaft. „Ich wollte das einfach auch mal von der anderen Seite sehen und den Betroffenen helfen, aus dem Teufelskreis herauszukommen“, sagt er. Seinem Probanden gibt er zum Beispiel Nachhilfeunterricht. Bernhard Vollmann steht kurz vor der Rente und hat viele Jahre mit Suchtkranken und geistig Behinderten gearbeitet. Die besonderen Probleme mancher Menschen sind ihm deshalb gut bekannt. „Das erleichtert sicher den Einstieg“, meint der Oberaulaer, der aber auch weiß, wie wichtig es ist, professionelle Distanz zu wahren.

„Ich möchte meine Freizeit sinnvoll nutzen“, erklärt Rentnerin Ulrike Vormbrock aus Bad Hersfeld, die gelernte Arzthelferin ist. Ihr ist es vor allem ein Anliegen, die Familien der straffällig Gewordenen mit im Auge zu behalten.

Von Nadine Maaz

Quelle: HNA

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