Bloß keine Verlängerung

Alheimer sieht das Champions-League-Finale in London

Thilo Frankfurth

Alheim/London. Die vergangene Nacht haben Thilo Frankfurth und sein Kumpel Thorsten Leimbach in Paris verbracht. Die Stadt der Liebe ist aber nicht ihr Ziel, sondern London. In der Tasche haben sie zwei der begehrten Eintrittskarten für das Champions-League-Finale heute Abend.

In London gab es allerdings nur noch Zimmer zu horrenden Preisen. Deshalb geht es erst heute weiter mit dem Eurostar durch den Tunnel in die englische Metropole.

Thilo Frankfurth ist seit seiner Kindheit Fan von Bayern München, Vereinsmitglied und hofft auf einen Sieg seiner Mannschaft. Diesmal muss es klappen, sagt der 39-Jährige aus Heinebach. Vor zwei Jahren, genau zu seinem Geburtstag, hatte er schon einmal Karten für ein Champions League Spiel, das Achtelfinale der Bayern gegen Inter Mailand. Damals blieb ihm das schönste Geschenk versagt: Die Bayern verloren zwei Minuten vor Schluss mit 2:3. "Fürchterlich war das", erinnert sich Frankfurth. Diesmal soll der Traum wahr werden.

Frankfurth, der beim Kreisbauernverband in Bad Hersfeld beschäftigt ist und außerdem noch eine Nebenerwerbslandwirtschaft betreibt, war schon mit sechs Jahren glühender Fan von Bayern München. Anfang der 80er-Jahre hat er seine Idole inklusive Sören Lerby schon einmal beim DFB-Pokal in Kassel gesehen.

Er muss noch heute lachen, wenn er von einem 1. April in den 80er-Jahren erzählt. Sein Großvater Bernhard Storz hatte ihm erzählt, der Mannschaftsbus von Bayern München fahre morgens um sechs Uhr am elterlichen Hof in Heinebach vorbei, und der kleine Thilo hatte im vollen Ornat mit Bayern-Trikot, Fahne und Mütze zwei Stunden an der Bundesstraße gestanden, während seine Eltern Wilfried und Karin Frankfurth im Stall die Kühe melkten. Erst nach dem Frühstück klärte der Opa ihn auf, dass er in den April geschickt worden war.

Für Nachwuchs an Bayern-Fans hat Thilo Frankfurth auch schon gesorgt: Seine beiden Zwillingstöchter, bald zwei Jahre alt, haben Bodys in den Vereinsfarben Rot-Weiß und können schon "Bayern" sagen.

Sitzen ganz oben

Frankfurths Kumpel ist natürlich auch Bayern--Fan. "Ich nehme doch keinen Dortmund-Fan mit", ist er ein wenig entrüstet. Frankfurth und Leimbach gehen mit Karten der billigsten Kategorie ins Wembley-Stadion. "Wir sitzen wahrscheinlich ganz oben neben der großen Anzeigetafel, vermutet der Heinebacher. Doch das ist für ihn nicht entscheidend. Dabeisein ist alles, sagt er. Er tippt auf einen 3:2 -Sieg für seine Bayern und hofft, dass es keine Verlängerung geben wird. "Das wäre schlimm für mein Nervenkostüm", sagt er.

Ohne Unterkunft werde man sich die Nacht nach dem Spiel um die Ohren schlagen, meint Frankfurth. Er sei schließlich bei der Bundeswehr gewesen. Außerdem rechnet er mit vielen anderen deutschen Fußballfans, die ohne Unterkunft, oft auch ohne Karten, einfach nur dabeisein wollen. Und das, obwohl es in London kein größeres Public Viewing gebe, erklärt Frankfurth. Er selbst und Thorsten Leimbach haben zwar vermutlich schlechte Sicht. Aber das spielt keine Rolle bei solch einem Spiel. (ank)

Quelle: HNA

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