Algen arbeiten für eine saubere Fulda: Pilotprojekt in Rotenburg

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Sie wollen erreichen, dass die Fulda mit weniger Phosphor belastet wird: Thorsten Anacker, links, betreut das neue Verfahren für die Stadtwerke Rotenburg, Nils Semmler hat es entwickelt und zum Patent angemeldet. Fotos: Schäfer-Marg

Rotenburg. Eine geringere Phosphorbelastung der Fulda ist Ziel eines hessischen Pilot-Forschungsprojektes, das am Mittwoch offiziell an der Rotenburger Kläranlage gestartet wurde.

Unter Einsatz eines neuen, zum Patent angemeldeten Verfahrens, bei dem Algen als „Phosphorfresser“ eingesetzt werden, soll der Phosphoranteil des Wassers im Nachklärbecken vermindert werden. Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt von der Technischen Hochschule Mittelhessen in Gießen.

Das Land Hessen fördert den 24 Monate dauernden Versuch mit 527 000 Euro. Der Grund: Die Kläranlage in Rotenburg ist ihrer Größenordnung nahezu repräsentativ für die meisten hessischen Kläranlagen. Viele Kommunen könnten also von der neuen Verfahrensweise profitieren, erklärte Otto Vicum von der Oberen Wasserbehörde in Kassel.

Die Stadtwerke Rotenburg sind mit 93 000 Euro bei diesem Projekt engagiert, erhoffen sich dadurch aber auch eine Ersparnis von jährlich 35 000 Euro an Kosten für chemische Reinigungsmittel, sagte der technische Leiter Stephan Heckeroth.

Entwickelt und im Labor bereits erfolgreich getestet wurde das Verfahren der so genannten kontinuierlichen biologischen Phosphor-Elimination vom Rotenburger Unternehmer Nils Semmler. Er ist Geschäftsführer der Firma Bionome Energie-Systemtechnik. Er erklärte das System am Mittwoch auch Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke, der den Förderbescheid nach Rotenburg gebracht hatte und das Projekt „eine spannende Kiste“ nannte.

Auf dem Gelände der Kläranlage werden nun drei Container installiert, in die das noch mit Phosphor belastete Wasser aus dem Nachklärbecken eingeleitet wird. Systementwickler Semmler nennt die Container Photo-Bioreaktor.

Hinzu kommt kohlendioxidhaltiges Abgas aus den beiden Blockheizkraftwerken, die an der Kläranlage für Wärme und Energie sorgen. Eingesetzt wird außerdem ein heimischer Mikroalgenstamm. Die Kombination aus Co2, phosphorhaltigem Abwasser und Sonnenlicht nährt die Algen, die sich laufend vermehren. Bei dem Prozess entsteht Sauerstoff und Algenbiomasse, in der der Phosphor gebunden ist. Der Phosphoranteil im Wasser wird dabei erheblich reduziert, im Laborversuch gingen die Werte sogar gegen Null, erklärte Nils Semmler. Während der Versuchsphase fließt das gereinigte Wasser zurück ins Nachklärbecken. Im Erfolgsfall soll das Verfahren auf das gesamte Nachklärbecken ausgeweitet werden.

Die beim Prozess entstehende Algenbiomasse speist wiederum den Faulbehälter der überwiegend mit Faulgas betriebenen Blockheizkraftwerke. Der übrig bleibende Klärschlamm landet als Dünger in der Landwirtschaft.

Die Vorteile gegenüber anderen Verfahren seien niedrigere Kosten und geringerer Einsatz von Chemie und Energie, erklärte der 54-jährige Semmler.

Von Silke Schäfer-Marg

Quelle: HNA

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