"Peter 1" schwebte in über 30.000 Metern Höhe

Video: Bad Hersfelder filmte die Erde mit einer selbstgebastelten Sonde

+
Die Welt am frühen Morgen von oben betrachtet. Bis auf 31 700 Meter Höhe stieg die Sonde „Peter 1“.

Bad Hersfeld. Es sieht alles ganz einfach aus: Eine Styroporkiste, ein paar Holzlatten, eine Kamera und ein Ballon. Mit diesen Zutaten ist dem Bad Hersfelder Alexander Hacker etwas Besonderes gelungen.

Er filmte die Erde aus über 30 Kilometern Höhe.

Wären an diesem frühen Morgen Anfang Mai Luke Skywalker oder Captain Kirk in einem ihrer Raumgleiter in der Nähe gewesen und hätten aus dem Fenster geguckt, sie hätten ein ziemlich eigenartig anmutendes Gebilde erblickt. Ein weißer Würfel mit schmalen, zerbrechlich wirkenden Flügeln schwebte dort in der Stratosphäre, mehr als 30 000 Meter über dem Boden herum. Und sie hätten in das Gesicht des achtjährigen Alexander Hacker geblickt. Hacker ist jedoch eigentlich 28 und war noch nie in einer solchen Höhe unterwegs. Der Bad Hersfelder hat das Fluggerät konstruiert und es mit einem angehängten Kinderfoto von sich auf Reisen geschickt. Sein Ziel war es, den Sonnenaufgang aus dieser ungewöhnlichen Perspektive zu filmen. Es ist ihm gelungen.

Marke Eigenbau: Klebeband, Styropor und ein paar Holzlatten – "Peter 1" besteht aus typischen Baumarkt-Materialien.

Die Idee zu diesem Projekt kam Hacker, der in der EDV-Abteilung des Landratsamtes arbeitet, im November. Beim Surfen im Internet stieß er auf Idee und Konstruktionstipps und fing Feuer. Was folgte, waren Monate voller Planung. Material musste herbeigeschafft und genauestens berechnet werden. Den Wetterballon bestellte er im Internet, die benötigte Genehmigung für den Flug erteilte das Regierungspräsidium in Kassel. „Problemlos“, sagt Hacker. Weil die Sonde Marke Eigenbau 800 Gramm Nutzlast nicht überschritt, galt sie im Flugraum als ungefährlich.

Das Projekt, an dem am Ende ein sechsköpfiges Team beteiligt war, erhielt den Namen „Peter 1“. „In Anlehnung an Peterchens Mondfahrt und Peter Pan“, erklärt Hacker, der nach einer schlaflosen Nacht kurz vor dem Start auf der Skiwiese am Eisenberg ziemlich nervös war. Ausgestattet mit einem GPS-Gerät, um den späteren Landeplatz orten zu können, schickte das Team „Peter 1“ auf seine Reise. „Mit etwas zu wenig Helium“, sagt der Initiator, „deswegen ist er langsamer gestiegen als geplant,“ Das Ergebnis nach mehr als drei Stunden Flug sind spektakuläre Aufnahmen. Die Kamera nahm nicht nur den Sonnenaufgang auf, sondern filmte sogar vorbeifliegende Flugzeuge, bevor der Ballon in einer errechneten Höhe von 31 700 Metern aufgrund der veränderten Druckverhältnisse platzte. Nach minutenlangem unkontrolliertem Fall öffnete sich ein kleiner Fallschirm, die Kamera filmte weiter bis zum seichten Aufprall auf einer Wiese bei Lützelbach nahe Aschaffenburg.

Nur Minuten danach – Hacker sitzt schon mit den GPS-Daten im Auto in Richtung des ungefähren Landeortes – klingelt sein Handy. Ein Fußgänger hat „Peter 1“ gefunden und die aufgeklebte Nummer gewählt. „Das hat uns wohl viel Suche erspart“, sagt Hacker, der sich auch über etwas anderes freut: Die Sonde hat keine Schäden davongetragen.

Das Video vom Flug hat der System-Administrator mit Aufnahmen von der Vorbereitung zusammengeschnitten und auf der Internetplattform Youtube hochgeladen. Mehr als 1100 Mal ist es dort bereits angeklickt worden. Und was hat Hacker als Nächstes vor? „Das überlege ich mir noch“, sagt er. Einen Wetterballon will er aber nur noch dann wieder steigen lassen, wenn er einen Sponsor findet, „denn ganz billig war das nicht.“ Vielleicht gibt es dann ähnlich beeindruckende Bilder, nur mit einem Firmenlogo am Bildrand statt Hackers Kinderfoto.

Quelle: HNA

Mehr zum Thema

Kommentare