Freiwillige und Menschen mit Behinderung beim Aktionstag im Awo-Altenzentrum

Den Aha-Effekt erleben

Neue Perspektiven: Alexandra Klemm von den Sozialen Förderstätten und Praktikantin Stefanie Grimm. Fotos: Apel

Bebra. Geschäftiges Gewusel im ergrünenden Garten des Awo-Altenzentrums in der Marie-Juchacz-Straße. Junge Frauen mit Atemschutzmasken haben sich rund um eine Biertischgarnitur eine provisorische Werkstatt eingerichtet.

Sie sägen, hämmern, feilen an leicht zu bearbeitenden, weißen Ytong-Steinen, geben diesen neuen Schliff und stellen kleine Skulpturen her. Sie sollen zur schöneren Ausgestaltung des Gartens und des Innenhofs der Einrichtung beitragen.

Mittendrin Nicole Soost und Bettina Heun von der „Freiwilligentochter“ Volunta des Deutschen Roten Kreuzes. Vom Bad Hersfelder Beratungscenter aus haben sie zum ersten Mal einen ganz besonderen Aktionstag organisiert, an dem eine bunt zusammengewürfelte Freiwilligenschar teilnimmt. Junge Menschen, die ein Freiwilliges Soziales Jahr ableisten (FSJ-ler), Engagierte jeden Alters, die der Einrichtung verbunden sind oder vor Ort arbeiten, aber auch Menschen, die eigentlich auf Hilfe angewiesen sind. Dass zwölf Menschen von den Sozialen Förderstätten für Behinderte dabei sind und sich bürgerschaftlich einsetzen, ist neu. Aber genau das ist mit dem „Aha! Aktionstag“ beabsichtigt.

Soziale Teilhabe ermöglichen

„Auch Menschen mit Behinderung sollen sich einbringen und auf vielfältige Weise für ihre Mitmenschen engagieren können“, erläutert Nicole Soost. Sie denkt dabei nicht nur an in überschaubarem Rahmen stattfindende Einsätze bei besonderen Aktionstagen, sondern auch an regelmäßige Hilfeleistungen in Vereinen oder geeigneten Betrieben: „Wir wollen Menschen mit Behinderung soziale Teilhabe ermöglichen und damit ganz neue Perspektiven eröffnen!“

Das kommt gut an. Bei den Menschen mit Handicap, die gerne dabei sind, wenn es darum geht, die eine oder andere Gartenbank oder einen ganzen Flur neu zu streichen oder Blumenkästen zu bepflanzen. Oder unter Anleitung des Rotenburger Garten- und Landschaftsbauers Peter Obermüller eine Rückzugszone für die Awo-Tagespflege anzulegen: mit Flechtzäunen, grünen Abspannungen und einem kleinen Sinnesgarten mit wohlriechenden Blumen und Kräutern. Aber auch bei Heimleiterin Daniela Leuthold, die ganz begeistert ist von den Aktivitäten der vielen kleinen Gruppen: „Es kommt mir fast schon so vor, als bekäme unser Haus einen neuen Anstrich. Ich kann einfach nur von ganzem Herzen danke sagen.“

Nach fünf Stunden Arbeit sind alle eingeladen zum Kaffeetrinken. Andreas Bohn spielt auf der Panflöte.

Renate Katzorreck, die wie Bohn viele Jahre lang in einer Werkstatt für Behinderte gearbeitet hat, seit vier Jahren aber schon Rentnerin ist, genießt die selbst gebackenen Waffeln. Sie hat sich gerne „rufen“ lassen, jede Menge Brote belegt und Tische abgewischt. Ohne zu zögern sagt sie: „Beim nächsten Mal bin ich wieder mit dabei!“

Von Wilfried Apel

Quelle: HNA

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