Tatjana Kröger legte auf ihrer jüngsten Reise 26 000 Kilometer zurück

Afrika wird unterschätzt

Aus Südafrika brachte Tatjana Kröger ein Souvenir mit. Das Schild aus Ziegenleder gehört vermutlich zu einem Tanzkostüm der Zulu. Foto: Hefter

Obersuhl. Tatjana Kröger ist auf ihrer jüngsten Tour durch 21 Länder gereist, darunter elf, die die erfahrene Globetrotterin vorher noch nicht kannte. Von unterwegs schickte sie per E-Mail Reiseberichte, die in unserer Zeitung veröffentlicht wurden.

Ihr Vorhaben, möglichst viel mit dem Zug zu reisen, ließ sich zwar nicht ganz wie geplant umsetzen – stillgelegte Strecken und politische Unruhen ließen es nicht zu, oder sie hätte riesige Umwege und unkalkulierbare Risiken in Kauf nehmen müssen. „9700 Bahnkilometer sind es dennoch geworden“, berichtete sie.

Ihre Reise durch Europa verlief wie vorgesehen, ebenso die Durchquerung der Türkei bis zur Hafenstadt Iskenderum. Dort musste Tatjana Kröger zum ersten Mal auf Plan B zugreifen, denn die Fähre nach Ägypten war eingestellt worden. Sie flog zurück nach Istanbul und von dort nach Kairo. In der ägyptischen Hauptstadt, die sie Mitte August erreichte, geriet sie in politische Unruhen. Da das öffentliche Leben fast völlig zum Erliegen kam, keine Züge fuhren und sie wegen geschlossener Botschaften zunächst auch keine Visa für die Weiterreise Richtung Süden bekam, überbrückte sie die Zeit mit einem Trip nach Jordanien.

Später nahm sie den Flieger von Kairo nach Assuan, da noch immer keine Züge fuhren. „Die Bahnfahrt durch Ägypten hole ich nach“, hat sie sich fest vorgenommen. In anderen von ihr durchquerten Ländern wird das nicht möglich sein.

Bahnreise oft nicht möglich

„Genau wie hier in Europa ist der Mythos Eisenbahn auch in Afrika in einem schnellen Niedergang begriffen, zumindest der Personenverkehr, zugunsten des Straßenverkehrs“, berichtete sie. In Botswana wurde der Personentransport auf der Schiene schon 2009 eingestellt, im Sudan 2010, und auch in Kenia konnte die Obersuhlerin nicht mit der Bahn reisen, weil wegen Missmanagements alle Räder stillstanden.

Die Bürokratie erwies sich dagegen nicht als Problem. Zehn Visa, die sie unterwegs brauchte, bekam sie innerhalb kurzer Zeit.

Gefährlich wurde es nie

Als interessantestes Land auf ihrer Reise wird ihr Tansania in Erinnerung bleiben, seine Nationalparks mit Großwild, die mittelalterlichen Städte, hohen Berge und Traumstrände.

Während der gesamten Reise, so berichtet Tatjana Kröger, sei sie nicht ein einziges Mal in eine wirklich prekäre Situation gekommen. Stattdessen erfuhr sie freundliche Hilfsbereitschaft von Einheimischen und Mitreisenden, die echtes Interesse an der Rucksacktouristin zeigten. „Man muss sich allerdings auf die Menschen einlassen“, sagte sie. Afrika werde hier oft unterschätzt, findet die Obersuhlerin. „Es gibt dort alles. Zwar nicht auf dem gleichen Standard wie in Europa, aber es funktioniert.“

Von Susanne Hefter

Quelle: HNA

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