Tatjana Kröger schildert in ihrem Reisebericht Eindrücke aus Tansania

Afrika wie im Bilderbuch

Malerisch: Dhaus (Fischerboote) segeln vor der Küste Tansanias auf dem Indischen Ozean. Fotos Kröger/nh

Dar es salaam/Obersuhl. Am Tazara-Bahnhof in Dar es Salaam gibt es keinen Fahrplan. Die Tansania-Sambia-Bahn (Tanzam) verkehrt nur zweimal wöchentlich, und die aktuelle Zuginformation wird in Suaheli und Englisch auf eine Tafel geschrieben. Ich bin unterwegs nach Mbeya an der malawischen Grenze, 860 Kilometer quer durch Tansania.

25 Stunden soll die Fahrt dauern, und ich gönne mir den bescheidenen Luxus eines 2. Klasse-Liegewagens, da dieser nur umgerechnet einen Euro teurer ist als die nächstbesten Sitzplätze. Mit mir im Abteil reisen eine Studentin aus Mbeya sowie drei Frauen und ein kleiner Junge aus Sambia.

Die Tanzam lässt die chronisch verstopften Straßen Dar es Salaams rasch hinter sich, und bald beginnt der Busch. Keine Straße begleitet die Bahnlinie, nur teils schwer erkennbare Pisten und Trampelpfade, riesige Baobab-Bäume und meterhohe Termitenhügel. Es gibt auch keine größere Ortschaft an der Strecke, nur Dörfer mit ihren typischen Gehöften aus Lehmziegeln und Palmstroh.

Aussteigen durch Fenster

Bei jedem Stopp rennen Frauen und Kinder die 19 Waggons entlang, um Lebensmittel anzubieten. Es gibt Cashew- und Kokosnüsse, Tomaten, gekochten Maniok und Maiskolben, Ugali (Maisbrei) in Plastiktüten, gebratene Hähnchenstücke und geräucherte Flussfische – die Bauern verkaufen den Passagieren, was sie gerade selbst entbehren können.

Die Schaffner machen sich nicht die Mühe, die Türen der 3. und 4. Klasse zu entriegeln: Die Passagiere steigen durch die Fenster ein und aus, mitsamt dem zum Teil imposanten Gepäck – Getreidesäcke, Bananenstauden, riesige Körbe mit lebenden Hühnern.

Am nächsten Morgen fährt der Zug durch ein trockenes Hügelland. Es ist kalt, doch zur Ausstattung des Liegewagens gehören zum Glück auch Wolldecken.

An einem Haltepunkt namens Kiyowela weigert sich der Gepäckwagenschaffner, die Frachtstücke der aussteigenden Fahrgäste herauszurücken, weil diese angeblich nicht richtig gewogen und bezahlt wurden. Die wütenden Passagiere blockieren ihrerseits das Gleis mit Felsbrocken. Nach etwa einer Stunde unfreiwilligen Aufenthalts einigt man sich irgendwie. Aus den fahrplanmäßigen 25 Stunden sind in Mbeya 29 geworden.

Und was bietet Tansania außer der Tanzam? Zehn Prozent der Landesfläche sind Nationalpark; dort gibt es tatsächlich all die Löwen, Elefanten, Zebras, Giraffen und Nilpferde, die ich bisher nur aus dem Fernsehen kannte. In den kargen Savannen des Nordens treiben in leuchtendes Rot gekleidete und mit Speer und Wanderstab bewaffnete Massai-Krieger ihre Viehherden zu den Wasserstellen. Die mit Gletschern bedeckten Gipfel von Mount Meru und Kilimanjaro begrenzen in atemberaubender Kulisse das gewaltige Rift-Tal.

Einfach traumhaft

An der Südküste wetteifern die Strände und die Segel der Fischerboote um das makellosere Weiß auf dem ebenso makellosen Blau des Indischen Ozeans. Ganz klar - Tansania hat Pate gestanden für das Afrika der Bilderbücher. (red/ysy)

Quelle: HNA

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