Unterschriften sammeln für Praxiserhalt

Ärger um eine Arztstelle in Heinebach

Heinebach. Für die Patienten des im Sommer verstorbenen Dr. Walter Stegmann in Heinebach kam die Nachricht völlig überraschend: Der Zulassungsausschuss der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KV) hat der Hausarztpraxis die Arztstelle entzogen und auf die Gemeinschaftspraxis Heinebach übertragen.

Am Freitag war bereits der letzte Tag, an dem Vertretungsarzt Dr. Walter Hofmann Patienten behandelt hat. Eine lange Vorwarnzeit gab es für die laut Hofmann etwa 800 bis 900 Patienten der Praxis nicht: Die Entscheidung fiel erst vorige Wochen.

Bis dahin hatten sie angenommen, dass es in der Praxis am Ortsausgang weitergehen würde.

Schließlich hatte Sylvia Stegmann zwei Nachfolger auserkoren, die die Arbeit ihres Mannes fortsetzen sollten, sagen Gerhard Kinscher und Lothar Albrecht – zwei von etwa zwei Dutzend Patienten, die für den Erhalt ihrer Praxis kämpfen wollen. Doch der Zulassungsausschuss sei nicht davon überzeugt gewesen, dass die Rotenburger Ärzte Dr. Hermann-Josef Strotmann und Dr. Claudia Szabo die Patienten bestmöglich versorgen würden, sagte KV-Pressesprecher Karl Matthias Roth gegenüber unserer Zeitung.

Unter anderem sei es als Problem gesehen worden, dass einer der Wunschkandidaten noch eine halbe Zulassung in Mecklenburg-Vorpommern habe. Die Ärzte waren  für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Schwebendes Verfahren

Nicht äußern wollten sich Sylvia Stegmann und Dr. Jörg Merkel von der Gemeinschaftspraxis. Beide verwiesen darauf, dass es sich um ein schwebendes Verfahren handele, da die Entscheidung des Zulassungsausschusses noch nicht schriftlich vorliege. Die Patienten wollen derweil die KV umstimmen: Am Samstag werden sie von 9 bis 12 Uhr vor den Heinebacher Supermärkten Unterschriften sammeln.

32 Jahre lang sei die Versorgung bei Walter Stegmann vorbildlich gewesen, nun wüssten sie nicht, wo sie hin sollen. „Ich verstehe nicht, warum einer funktionierenden Praxis die Zulassung entzogen wird, wo doch Landärzte unterstützt werden sollen“, sagt Albrecht.

Kinscher muss im Januar zu einer MRT-Untersuchung und weiß nicht, wer dann sein Hausarzt sein wird. In die Gemeinschaftspraxis, da ist er sich sicher, will er nicht. Da hätten die Patienten im Sommer, als es noch keine Vertretung für Walter Stegmann gab, wegen der langen Wartezeiten buchstäblich auf der Straße gestanden. Diese Situationen seien problematisch, gibt KV-Sprecher Roth zu.

Schließlich hätte die Gemeinschaftspraxis die zusätzlichen Patienten ohne zusätzliches Personal aufgenommen. Mit der vierten Arztstelle gewinne die Praxis aber weitere Kapazitäten, um die Versorgung zu verbessern. Bürgermeister Georg Lüdtke hofft auf eine Regelung zum Wohle der Patienten. Ihm komme es vor allem darauf an, dass Alheims vierte Arztstelle erhalten bleibt.

Von Marcus Janz

Hintergrund: Bewerbung auf die Nachfolge

Die Patienten von Walter Stegmann hatten den Eindruck, dass seine Nachfolge reine Formsache sei, da die Witwe Wunschkandidaten benannt hat. Das sei aber nur der Fall, wenn ein Hausarzt seine Praxis vorbereitet weitergibt, sagt KV-Sprecher Karl Matthias Roth. Nach dem Tod Stegmanns sei die Zulassung deshalb regulär ausgeschrieben worden, zumal auch seine beiden Söhne noch in der medizinischen Ausbildung sind. (mcj)

Quelle: HNA

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