Nach über 40 Jahren ist Ihr Platz in Rotenburg geschlossen

+
Leere Regale, ernste Gesichter: Die Ihr Platz-Filiale an der Breitenstraße in Rotenburg hat jetzt für immer geschlossen. Die Zukunft der Mitarbeiterinnen, die Jahrzehnte für die Kunden da waren, ist ungeklärt. Unser Bild zeigt von links Christiane Reuter, Katharina Koss, Brigitte Deutschländer, Beate Merz, vorn Stephanie Ermel.

Rotenburg. Die Rotenburger Ihr-Platz-Filiale schließt am Montag ihre Pforten für immer. Die Schnäppchenjäger haben die Mitarbeiterinnen am Morgen fast überrannt: Es gab einen Preisnachlass von 90 Prozent auf die restlichen Produkte.

Nun ist das Traditionsgeschäft, das vor 41 Jahren als „Seifenplatz“ eröffnet worden war, geschlossen - eine Folge der Pleite des Schlecker-Konzern, zu der Ihr Platz am Ende gehörte.

Eigentlich sollte das Geschäft noch bis zum Ende der Woche offen bleiben, doch die Regale sind wie leergefegt. In Absprache mit der Bezirksleitung habe man sich zur vorzeitigen Schließung entschieden, erklärt Katharina Koss, die letzte Filialleiterin.

Sie sei vom Ansturm regelrecht gegen die Wand gedrückt worden, als sie die Tür aufschloss an diesem letzten Morgen, erzählt sie. Gemeinsam mit ihren Mitarbeiterinnen stellte sie sich für ein Abschiedsfoto vor die Regale. Insgesamt acht Frauen arbeiteten zum Teil Jahrzehnte in der Filiale und sind den Rotenburgern gut bekannt. Was aus ihnen wird? Sie zucken mit den Schultern. „Wir hatten ja bis zum Schluss gehofft“, sagt Brigitte Deutschländer, die insgesamt 33 Jahre lang im Drogeriemarkt tätig war. Katharina Koss geht davon aus, dass die Mitarbeiterinnen über eine Transfergesellschaft zu einem neuen Arbeitsplatz finden werden. Anders als bei Schlecker oder Schlecker XL gebe es für die Ihr Platz-Frauen eine solche Auffanggesellschaft.

Christiane Reuter, „seit 27 Jahren und einem Monat“ bei Ihr Platz erzählt, dass die Abschiedstränen schon am frühen Morgen gerollt seien. „Eine Kundin hat jeder von uns ein Schutzengelchen gebracht. Das war süß“, sagt sie. Stephanie Ermel hatte schon am Morgen den weißen Kittel ausgezogen, Beate Merz, die 33 Jahre zum Team gehört, hört noch geduldig einer Kundin zu, die beklagt, dass sie in der ganzen Stadt keinen Dusch-Schwamm kaufen könne. „Wo sind wir bloß gelandet“, empört sich die Kundin. Auch eine ältere, gehbehinderte Stammkundin, die sich von den Mitarbeiterinnen verabschiedete, ist ratlos, wo sie nun ihre Sanitär-Produkte bekommen soll. „Der Supermarkt hat ja nicht alles im Angebot.“

Auffällig war, dass sich gerade viele Stammkunden nicht an der mehrwöchigen Ausverkaufaktion beteiligt hatten. Sie hätten es einfach nicht gekonnt, erzählt Beate Merz von der emotionalen Betroffenheit der treuen Käufer. Das Team von Ihr Platz dankt den Kunden.

Von Silke Schäfer-Marg

Quelle: HNA

Kommentare