Kunden sagen Betreiber mit kleinem Abschiedsfest Danke

Abschied von Alexanders Laden

Abschied von Alex: Für viele Menschen in Alt-Heinebach war der mitten im Ort gelegene Supermarkt von Alexander Krause ein Ort, an dem man sich traf und über Schönes und weniger Schönes redete. Was bleibt, sind die Erinnerungen und ein letztes Bild mit Kunden und Mitarbeitern. Foto: Apel

HEINEBACH. Er muss so etwas wie der gute Mensch von Heinebach gewesen sein. Frauen, Männer und Kinder sind gekommen, um sich am letzten Abend von ihm zu verabschieden. Viele drücken ihm mit Tränen in den Augen die Hand, einige umarmen ihn, und alle wünschen ihm alles Gute für den Neustart.

Alexander Krause hat sich entschlossen, seinen mitten im Ort gelegenen Aktivmarkt zum Monatsende zu schließen. Es lohnt sich nicht mehr. Die Konkurrenz am Dorfrand und im neuen Center in Rotenburg ist zu groß geworden. Er hat verloren, und ehe es zu spät ist, zieht er die Notbremse.

Auf die schöne Zeit anstoßen

Susanne Vogt (45) und Mirjam Bezela (49) wollen ihm „Danke!“ sagen und haben ein kleines Happening organisiert: „Wir haben alle Kunden aufgerufen, noch einmal vorbeizukommen und auf die zurückliegende, schöne Zeit und auf eine gute Zukunft anzustoßen!“

Kaufmann mit Leib und Seele

Zu denen, die sich aufgemacht haben, zählt auch Brigitte Kropp (53) aus Obergude. Sie hat schon frühmorgens mitbekommen, wie zwei alte, auf einen Rollator angewiesene Damen nach ihrem Einkauf geweint haben. Sie erzählt, dass Krause Kaufmann mit Leib und Seele gewesen sei, und dass er vielen Leuten die Waren bis nach Hause geliefert habe. Auch Tochter Lena (8) ist traurig. Kein Wunder, hat sie doch so manche Scheibe Wurst bekommen und oft auch was zum Naschen.

Gerhard Heußner (61), der die freundlich-familiäre Einkaufsatmosphäre bei Krauses geschätzt hat, findet es bemerkenswert, dass Edeka immer wieder mit neuen, großen Märkten seinen kleinen, alteingesessenen Konkurrenz und oftmals den Garaus mache. „Das betrifft mich direkt“, unterstreicht er, „ich habe fast alles hier gekauft. Was nicht vorrätig war, wurde umgehend besorgt!“

Plötzlich hört man den Posaunenchor der Chrischona-Gemeinde „Nun danket alle Gott“ spielen und Peter Blackert (84), einen tief gläubigen, alten Landwirt aus Niederellenbach, von Liebe sprechen. Ja, ihr Kaufmann habe sie geliebt. Immer habe er Kindergärten und Vereine gesponsert und mit seinem Team mitangepackt, wenn es gegolten habe, Päckchen für Hilfsaktionen des Christlichen Hilfsdienstes zu packen. Deshalb sind auch Andreas Schmidt (47) und Sieglinde Stedtler (76) aus Bad Hersfeld angereist, und sie unterstreichen ihre Zuneigung mit einem Blumenstrauß.

Dann wird alles noch einmal schön. Susanne Vogt trägt ein Gedicht vor und überreicht ein Abschiedsbuch: „Bleib’ so, wie Sie sind!“, sagt sie und sie lacht über ihre eigene Formulierung. Sekt fließt, und Alexander muss mit allen anstoßen und Autogramme geben: „Ich bin einfach nur überwältigt!“

Alexander wird seine noch vorhandene Frischware der „Tafel“ spenden, seinen Supermarkt aufräumen, sich nach etwas Neuem umschauen und den Leuten in Alt-Heinebach, für die sein Laden auch eine wichtige Gesprächsbörse war, in Erinnerung bleiben als jemand, der jeden mit Namen begrüßt, Herzlichkeit ausgestrahlt und gelebt hat.

Von Wilfried Apel

Quelle: HNA

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