Seit 50 Jahren halten Klassenkameradinnen der Landwirtschaftsschule Bebra Kontakt

Abführmittel im Pudding

Edith Paul, Anneliese Riemenschneider und Margrit Rüppel (von links) sind ehemalige Klassenkameradinnen aus der Landwirtschaftsschule in Bebra. Beim Blättern im Fotoalbum fielen ihnen viele Anekdoten aus dieser Zeit ein. Foto: Hefter

Bebra. Nur einen Winter haben sie gemeinsam verbracht, doch diese Zeit hat sie zusammengeschweißt fürs Leben: Bis heute halten die Klassenkameradinnen des Lehrgangs 1963/64 an der Landwirtschaftsschule in Bebra den Kontakt. Jetzt gibt es erneut ein großes Wiedersehen: Am 30. März findet in Bebra ein Klassentreffen statt. Anneliese Riemenschneider aus Heinebach, Edith Paul aus Malsfeld und Margrit Rüppel aus Niederellenbach, die damals zu den 16 Schülerinnen der Klasse gehörten, sind sich einig: „Es war die schönste Zeit unseres Lebens.“

Die Mädchen, die aus dem Kreis Rotenburg und benachbarten Kreisen kamen, lebten ein halbes Jahr lang von montags bis samstags im Internat. Dabei lernten sie, was für die Hausfrau und Bäuerin damals von Nutzen war. „Bei uns ging es zu wie in der Fernsehserie ‚Die Bräuteschule’“, berichtet Anneliese Riemenschneider. Auf dem Stundenplan standen landwirtschaftliche Betriebslehre, Familienpflege und Gartenbau, Kochen und Nähen.

Heimliche Partys

Unvergessen sind die Feste und die heimlichen nächtlichen Partys mit eingeschmuggeltem Bier und Kirschlikör. Unterrichtet wurden die Mädchen von Studienrätin Minna Menges und einer Lehrerin namens Kühlmann. Minna Menges galt als streng, aber herzlich wie eine Mutter. Sie behielt die jungen Frauen, die zwischen 17 und 20 Jahre alt waren, genau im Auge. „Nur die Älteren, die schon verlobt waren, durften ihre Zukünftigen treffen“, erzählt Margrit Rüppel.

Zusätzlich zum Schulgeld mussten die Mädchen Naturalien abliefern, zum Beispiel Wurst oder Margarine. Um das Schlachten zu lernen, brachten sie sogar lebendes Federvieh mit. Ein Hahn büxte aus, die Jagd nach ihm hinterließ eine Spur der Verwüstung.

Mit knurrendem Magen

Das Essen schmeckte den jungen Frauen nicht immer, und dann schlichen sie nachts mit knurrendem Magen in die Küche. „Manchmal hätte ich lieber Kartoffeln mit Duckfett gegessen anstelle von Toastgerichten, die wir nicht kannten“, erinnert sich Edith Paul. Ihr ging im Kochunterricht im Hackfleisch der Verlobungsring verloren, der sich glücklicherweise nach hektischer Suche in einer noch ungebratenen Frikadelle wiederfand. Säuglingspflege lernten die Schülerinnen unter lebensechten Bedingungen: Hausmeister Dressel war Großvater von Zwillingsbuben geworden, die sie wickeln und füttern durften.

In lebhafter Erinnerung haben die drei noch die Streiche. Zum Beispiel lagen eines Tages sämtliche Schlafanzüge in der vollen Badewanne. Wer es gewesen war, kam nie heraus. Die männlichen Landwirtschaftsschüler mopsten den Mädels des Öfteren den Pudding, der zum Abkühlen herausgestellt worden war. Als Vergeltung präparierten die Mädchen einen Pudding mit Abführmittel, doch ausgerechnet dieser wurde nicht geklaut. „Da gab es bei uns wohl eine undichte Stelle“, meint Margrit Rüppel. Ihre Rache bekamen die Mädchen trotzdem: Sie nähten einem der Puddingdiebe die Jacke mit winzigen Stichen zu.

Viele Ehemalige reisen an

Zum Klassentreffen nach 50 Jahren, das von Hella Apel aus Diemerode und Anneliese Riemenschneider organisiert wird, wollen viele ehemalige Mitschülerinnen anreisen. Sie werden vermutlich auch bei ihrer ehemaligen Schule an der Kasseler Straße vorbeischauen, in der heute Schornsteinfeger ausgebildet werden.

Von Susanne Hefter

Quelle: HNA

Kommentare