Geänderte Kita-Satzung: Abends ist kein Platz für Leven

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Möchte ihren Sohn länger in der Kita lassen: Stefanie Lindenau.

Rotenburg. Stefanie Lindenau aus Rotenburg hat jetzt die geänderte Satzung für Kindertagesstätten zu spüren bekommen: Die Mutter des dreijährigen Leven müsste ihr Kind aus beruflichen Gründen bis 17.30 Uhr in der Kindertagesstätte lassen. Aber das ist nicht möglich.

Die neue Satzung sieht vor, dass Eltern eine längere Betreuungszeit „einkaufen“ können. Das heißt, für die Zeit, die über die Kernzeit einer Ganztagsbetreuung von 7.30 bis 16.30 Uhr hinausgeht, müssen Eltern mehr zahlen. Stefanie Lindenau würde das auch tun. Aber: Es gibt kein verlängertes Angebot in den städtischen Kindertagesstätten. Der Grund ist einfach: Voraussetzung für eine längere Betreuung ist, dass mindestens fünf Kinder pro Einrichtung diese Betreuungszeit in Anspruch nehmen. Auch das steht in der neuen Satzung. Und mit ihrem Wunsch nach einer längeren Betreuung steht Stefanie Lindenau derzeit ganz allein da.

Morgens früher offen

Anders ist das bei frühen Terminen. Aufgrund des Bedarfs öffnet der Egerländer Kindergarten bereits ab 6.30 Uhr, in Lispenhausen wird um 7 Uhr geöffnet, erklärte Stefan Brand, der zuständige Mitarbeiter in der Stadtverwaltung auf Anfrage.

Stefanie Lindenau ist Friseurin, ihr Sohn besucht seit zwei Jahren die Kindertagesstätte in Braach. Die junge Mutter möchte ihre Arbeitszeit aufstocken – schon aus finanziellen Gründen. Auch ihre Arbeitgeberin, so erzählt Lindenau, wünscht sich mehr Arbeitszeit von ihrer Mitarbeiterin. „Wir leben im Jahr 2013. Da kann es eigentlich nicht sein, dass man nicht auf eine verlässliche Kinderbetreuung bis 18 Uhr zurückgreifen kann“, sagt die Rotenburgerin.

Hinweisen auf Problem

Auf Hilfe von Angehörigen kann sie nur bedingt zurückgreifen, weil ihre Eltern noch voll berufstätig sind und ihr Mann beruflich viel im Ausland unterwegs ist. Sie weiß, dass sie nun den berühmten Einzelfall darstellt, für den es nur schwer eine Lösung gibt. Allerdings möchte sie auf die Probleme hinweisen, mit denen die neue Satzung verbunden ist.

Rotenburgs Bürgermeister Christian Grunwald kann die Enttäuschung der jungen Mutter nachvollziehen, hat aber spontan auch keine Lösung parat, die mit der geltenden Satzung zu vereinbaren ist. Ein solcher Fall könne zunächst nur dazu dienen, die Satzung nach einer gewissen Zeit zu überprüfen. Nach einer Kuratoriumssitzung von Stadt und Awo habe sich jedoch angedeutet, dass die Awo flexibler reagieren könnte.

Die betreibt in Kooperation mit der Stadt die Kindertagesstätte im Heienbach. „Wir können uns vorstellen, die Probleme auch abweichend von der Satzung zu regeln“, sagt der stellvertretende Geschäftsführer der Awo Nordhessen, Herbert Leidenfrost. Einen entsprechenden Vorschlag werde er der Stadt unterbreiten, erklärte Leidenfrost. Er stellte aber auch klar, dass die Einrichtung „keinen Schritt ohne die Stadt“ unternehmen werde.

Von Silke Schäfer-Marg

Quelle: HNA

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