36-Jähriger aus Bebra wegen Diebstahlsserie vor Gericht

Solz. Sein Fall hatte Schlagzeilen gemacht. Er klaute wie ein Rabe, lebte in einem verwahrlosten Haus und war offenbar nicht in der Lage, Hilfe anzunehmen: Der Bebraer Stadtteil Solz litt Monate unter den Eskapaden eines außer Rand und Band geratenen Mannes, der auf der Suche nach Essbarem und Geld keine Hemmungen mehr hatte.

Ein sechsmonatiger Gefängnisaufenthalt, die Unterstützung durch einen Berufsbetreuer und die Anmietung einer neuen Wohnung haben bei dem 36-Jährigen jedoch für einen dramatischen Wandel der Lebensumstände gesorgt. Vor Strafrichterin Silvia Reidt am Bad Hersfelder Amtsgericht machte der Bebraner gestern einen gefestigten Eindruck.

Die angeklagten fünf Einbruchsdiebstähle in das Solzer Pfarrhaus und die Kirche ließ er durch seinen Verteidiger Christian Kusche unumwunden einräumen. Mit aus Pfarrers Wohnung stibitzten Schlüsseln hatte sich der einfach gestrickte Mann zwischen Januar und Mai vergangenen Jahres in Haus und Kirche gestohlen und nach Barem gesucht.

Mal waren es 100 Euro vom Schreibtisch, 150 aus einem Portemonnaie, die ihm in die Hände fielen, oder 60 aus einem Umschlag, den der Pfarrer zum Geburtstag bekommen hatte. Als er bei einem dieser Einbrüche kein Geld fand, nahm sich der Bebraner ein paar tiefgefrorene Brötchen mit, denn auch Hunger war ein Motiv für seine Taten.

Dass Diebestouren beim Pfarrer und in der Kirche besonders verwerflich seien, wie Ankläger Matthias Werner meinte, hatte den 36-Jährigen erst im Nachhinein beschäftigt.

Weil der Bebraner die Bewährungschance aus einem anderen Strafverfahren nicht nutzen konnte, musste der Angeklagte dann jedoch für ein halbes Jahr hinter Gitter was einen nachhaltigen Eindruck hinterließ. "Da will ich nie wieder hin", sagte er gestern vor Gericht. Auch ein Wort der Entschuldigung fand er und versprach, sich um Wiedergutmachung zu bemühen.

Das könnte ihm sogar gelingen: In den nächsten Tagen wird er eine neue Arbeitsstelle antreten. Dem steht auch die neue Strafe nicht entgegen: Die von Richterin Reidt verhängten elf Monate Freiheitsstrafe werden wegen der Kehrtwende im Leben des Angeklagten nochmals zur Bewährung ausgesetzt. Die Bewährungszeit beträgt allerdings vier Jahre, außerdem muss der Bebraner 150 Stunden gemeinnützig arbeiten.

Von Karl Schönholtz

Quelle: HNA

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