Schlussstrich im i-Tüpfelchen

Mit Wäschegeschäft schließt ein weiterer Einzelhändler im Philippsthaler Ortskern

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Die Regale leeren sich: Im Wäschegeschäft „i-Tüpfelchen“ in Philippsthal läuft derzeit der Ausverkauf. Verkäuferin Birgit Meyer sowie die Inhaber Regine und Erich Nordheim (von links) hätten gerne noch weiter gemacht. Das Geschäft lohne sich aber nicht mehr.

Philippsthal. Eine Portion Wehmut schwingt mit, wenn Regine und Erich Nordheim über die letzten Tage des „i-Tüpfelchens“ sprechen. Denn eigentlich hätten die Philippsthaler ihr Fachgeschäft für Wäsche und Geschenke gerne noch ein paar Jahre weiter betrieben.

Aber: „Es lohnt sich einfach nicht mehr“, erklären sie. Deshalb läuft jetzt der Ausverkauf. Im Jahr 1993 hatten der gelernte Kaufmann und seine Ehefrau den Schritt in die Selbständigkeit gewagt. Zunächst am Zollhaus, seit 2010 am heutigen Standort im Sparkassen-Gebäude an der Rathausstraße boten sie auf 115 Quadratmetern Verkaufsfläche Nacht-, Unter- und Bettwäsche, Geschenke und Accessoires an. Markenzeichen waren die kunstvoll aus Frotteehandtüchern geformten Figuren. Zwischenzeitlich gehörte auch ein Geschäft für Kindermoden dazu.

In den vergangenen Jahren seien die Umsätze aber stetig zurückgegangen, berichtet der 63-jährige Inhaber. Für diese Entwicklung gebe es wohl mehrere Ursachen: Der ältere Kundenstamm, der noch überwiegend im eigenen Ort eingekauft habe, sterbe buchstäblich aus. Eine große Konkurrenz sei der boomende Onlinehandel. So sei es auch im „i-Tüpfelchen“ vorgekommen, dass sich Kunden erst beraten ließen und dann die Konfektionsgröße notiert oder das Kleidungsstück fotografiert hätten – angeblich, um den Kauf in Ruhe zu überdenken, tatsächlich aber wohl eher, um im Internet zu bestellen. Insgesamt sei hochwertige Ware heute weniger gefragt – viele kauften lieber günstige Wäsche beim Textildiscounter. Auch die Verlagerung der Einkaufsmärkte an den Ortsrand habe sich bemerkbar gemacht. Zudem machten es die Lieferanten kleinen Einzelhändlern immer schwerer, indem sie die Abnahme größerer Stückzahlen verlangten und die Konkurrenzsituation zusätzlich mit eigenen Onlineshops verschärften. Dabei haben die Geschäftsleute versucht, mit der Zeit zu gehen und auch soziale Netzwerke wie Facebook zur Werbung genutzt. Am Ende habe unterm Strich aber keine schwarze Zahl mehr gestanden, der Laden sei nur noch teures Hobby. „Wir kleinen Einzelhändler sind wohl Dinosaurier“, bemerkt Regine Nordheim schulterzuckend.

Viele Stammkunden hätten ihre Entscheidung bedauert, berichtet die 59-Jährige. Mit Rabattpreisen sollen die Restbestände unters Volk gebracht werden und der Laden spätestens Ende September geräumt sein.

Erich und Regine Nordheim gehen in den Ruhestand, den auf 400-Euro-Basis beschäftigten Verkäuferinnen musste gekündigt werden. Mit dem „i-Tüpfelchen“ verschwindet bald ein weiteres Geschäft aus dem Philippsthaler Ortskern – nicht das erste in der jüngeren Vergangenheit.

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