Drei Männer starben in Grube in Unterbreizbach

100 Tage nach dem Unglück in Unterbreizbach: "Kein Stein mehr auf dem anderen"

Unterbreizbach. Rund drei Monate sind seit dem Grubenunglück mit drei Toten in einem Thüringer Kaliwerk vergangen. Die Aufräumarbeiten dauern an - ebenso wie die Aufarbeitung des Vorfalls.

Eberhardt Auths tiefe Stimme wird leise und ruhig, sein Blick senkt sich, als er von dem Unglück erzählt. "Das hat uns alle tief getroffen", sagt der knapp zwei Meter große Bergmann am Montag in Unterbreizbach. Er leitet die Grubenwehr in Schacht II des Kaliwerks in der Thüringer Gemeinde. "Wir haben nur noch reagiert. Was ist der nächste Schritt? Wie kommen wir herunter?" In dem Bergwerk waren drei Bergleute am 1. Oktober in rund 700 Metern Tiefe bei einer explosionsartigen Verpuffung getötet worden.

Für Auth ist es immer noch wie gestern. Er hatte Dienst, als es gegen 13.30 Uhr zu dem Unglück kam. Aus dem Schacht II quoll plötzlich eine riesige Staubwolke, dann rannten die anwesenden Kumpel aus dem Vorraum ins Freie. Zunächst habe er die Bereitschaft alarmiert. Wenige Minuten später sei dann versucht worden, zu den Kollegen im Stollen vorzudringen.

"Der benachbarte Schacht I war zu gefährlich, dann versuchten wir es über die Grube Merkers", berichtet Auth. Beide Gruben sind unterirdisch verbunden. Auch hier - rund zehn Kilometer vom Unglücksort entfernt - sei die CO2-Konzentration so hoch gewesen, dass die Motoren für die Jeeps nicht gelaufen seien. Schließlich habe man sich entschlossen, direkt von Schacht II aus abzusteigen, unter dem in der Tiefe die Kumpel auf Rettung warteten.

Retter fanden Leichen

Ein gefährliches Unternehmen: Schließlich quoll immer noch Staub aus dem Schacht. Zunächst wurde der Korb leer hinabgelassen, um zu prüfen, ob etwas beschädigt sei. Erst danach seien die Rettungskräfte eingestiegen. Direkt unterhalb des Schachtes hatten sich zwei Bergleute in einen Sicherheitsraum retten können. "Auf dem Weg dorthin fanden wir die Leichen", berichtet Auth.

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Wie es zu dem Unfall kam, ist auch 100 Tage danach noch nicht ganz klar. Die Untersuchungen der Staatsanwaltschaft Meiningen, der Kriminalpolizei und des Bergamtes laufen noch, die Ermittler gehen von einem Unglück aus. Die Stelle, wo die Bergleute gestorben waren, konnte im November besichtigt werden. Der Explosionsort in knapp 900 Metern Tiefe ist aber weiterhin wegen der hohen Konzentration an giftigem Gas gesperrt.

"Wir haben dort ein großes Ausmaß an Zerstörungen. Da steht kein Stein mehr auf dem anderen", sagt Hartmuth Baumert, Produktionsleiter "Unter Tage" der K&S Kali GmbH. Förderbänder seien zerstört worden, die gesamte Infrastruktur. Anfang Dezember sei die Salz-Förderung wieder teilweise aufgenommen worden. Mittlerweile sei man bei rund 70 Prozent angelangt.

Unglück passierte in Sekunden

Klar ist, dass die Verpuffung außergewöhnlich stark war. Die Bergleute im Alter von 24, 50 und 56 Jahren gehörten zu einer Art Voraustrupp, die das Revier nach einer regulären Sprengung zwischen zwei Schichten auf Beschädigungen untersuchen sollten. Zur Zeit des Unglücks waren sie mehrere Kilometer vom Gasaustritt entfernt.

In Sekundenschnelle erreichte sie die Druckwelle. Alle hätten ein Lebensrettungsset gehabt - eine Art Gasmaske, die durch chemische Substanzen Luft filtert und aufbereitet. Möglicherweise hätten die Opfer keine Zeit mehr gehabt, das Set zu aktivieren, sagt Baumert.

Vorwürfe, die Sicherheitsmaßnahmen seien unzureichend, weisen Baumert wie auch Betriebsrat Rüdiger Kinietz zurück. Es sei üblich gewesen, dass ein Voraustrupp während einer Sprengung im Bergwerk ist, um dann das Gebiet zu überprüfen. Aber man habe davon Abstand genommen, sagt Baumert. "Während einer Sprengung ist niemand mehr unter Tage."

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Auch die Kritik, das Werk habe Sicherheitstüren zwischen den einzelnen Abschnitten der großflächigen Grube nicht benutzt, lässt Baumert nicht gelten. Die Türen hätten früher einen Sinn gehabt. Mittlerweile seien die Salzabbaugebiete weiter weg vom Schacht. Auch gebe es technische Kontrollen und Seismografen, die einen Gasausbruch anzeigten. "Wir haben das Erdbeben von Fukushima registriert", erzählt Baumert. Die Türen hätten keine Funktion mehr. Möglicherweise müsse man darüber aber noch mal nachdenken, räumt er ein.

Konsequenzen für K&S?

Davon unabhängig könnten die Ermittlungen noch Auflagen für das Unternehmen K&S nach sich ziehen. Dies beziehe sich auf den Arbeitsschutz, sagt der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Jochen Grundler. Dies sei aber noch offen.

Ohnehin musste der Konzern in den vergangenen Monaten viel Zeit und Geld aufwenden, um wieder Salz fördern zu können. Die Grubenwehr sei 300 Mal in die Tiefe gefahren, um Abschnitte wieder instand zu setzen. 15.000 Arbeitsstunden seien seitdem angefallen, bilanziert deren Leiter Auth. Die Kosten beziffert Unternehmenssprecher Ulrich Göbel auf bis zu fünf Millionen Euro. (dpa)

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Quelle: HNA

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