IG BCE fordert, Entsorgungsprobleme zu lösen

K+S: Gewerkschaft will Klarheit - Sorge um deutsche Standorte

Kassel. Die Industriegewerkschaft Bergbau Chemie Energie (IG BCE) sorgt sich zunehmend um Inlandsstandorte und Jobs beim Kasseler Kali- und Salzproduzenten K+S.

Grund ist zum einen die starke Produktionsdrosselung im Werra-Kalirevier infolge der stark zurückgefahrenen Versenkung von Salzabwasser in den Untergrund und zum anderen die Entscheidung, das stillgelegte Bergwerk Gießen bei Hildesheim vorerst nicht wiederzubeleben.

Mit der Wiederinbetriebnahme der Grube Giessen sollten Ersatzarbeitsplätze für einen Teil der 750 Beschäftigten des Werks Sigmundshall nordwestlich von Hannover geschaffen werden, das Ende dieses Jahrzehnts ausgebeutet sein und geschlossen wird.

Ralf Becker

In diesem Zusammenhang fordert der Leiter des IG-BCE-Landesbezirks Nord, Ralf Becker, in einer internen Mitteilung an die Beschäftigten „endlich Klarheit und Offen heit“ vom Management. Die Belegschaft habe ein Recht darauf zu erfahren, wie es weitergehen soll, schreibt Becker vor allem auch mit Blick auf das Werk Werra, wo wegen fehlender Entsorgungswege seit Monaten kurzgearbeitet wird. Niemand könne zur Stunde sagen, ob und wenn ja, wann eine neue Versenkgenehmigung erteilt wird.

„Wenn in der Entsorgungsfrage nicht bald eine Lösung gefunden wird, dann bekommen wir große Probleme“, sagte Becker im Gespräch mit der HNA. Und es müsse geklärt werden, wer Fehler in dieser Sache gemacht habe, sagte er auch mit Blick aufs Management. Die neue Versenkgenehmigung hängt von einem Computermodell ab, das die Ausbreitung zurücksteigender Salzabwässer im Buntsandstein prognostizieren soll. Aber es funktioniert bislang nicht so, wie es die Versenkgenehmigung erfordert. In Unternehmenskreisen wird mittlerweile nicht mehr vor dem Herbst mit der neuen Erlaubnis gerechnet.

Friedrich Nothhelfer

Dieses Thema ist aus Sicht der IG BCE die größte Bedrohung für K+S. Der Bezirksleiter in Kassel, Friedrich Nothhelfer, sieht denn auch „Gefahr in Verzug. Wir brauchen die Versenkgenehmigung – so schnell wie möglich“, sagt er.

Die Gewerkschaft begrüßt zwar grundsätzlich die Auslandsinvestitionen des Kasseler Konzerns, im Zusammenhang mit den Problemen an den deutschen Standorten wertet Becker die Engagements jedoch als „fatales Signal“.

Wie berichtet, hat K+S unlängst einen chinesischen Mitbewerber im Bereich Spezialdünger zugekauft und plant den Bau einer großen Meersalz-Gewinnungsanlage in Westaustralien. In Kanada entsteht derzeit für fast drei Milliarden Euro ein neues Kali-Bergwerk auf der grünen Wiese, das im August angefahren werden sollte. Ob die Produktion wie geplant starten kann, ist derzeit aber unklar, weil bei einem Unfall ein 28 Meter hoher Prozessbehälter schwer beschädigt wurde. Die Reparatur kann Monate dauern. (jop)

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