Mit Daniel Iliev zurück zur Sachlichkeit

Heringer Stadtpolitik soll mit neuem Bürgermeister in ruhigeres Fahrwasser kommen

+
Daniel Iliev (links) wird neuer Bürgermeister in Heringen. In der Stichwahl setzte sich der 32-Jährige mit 53,4 Prozent der Stimmen gegen Hans Ries (WGH) durch. 46,6 Prozent der Wähler stimmten für den 60-jährigen Amtsinhaber.

Heringen. Für den Vorsitzenden der Wählergemeinschaft Heringen, Hagen Hildwein, ist das Ergebnis der Bürgermeisterwahl nicht unerwartet. Die Niederlage von Bürgermeister und WGH-Politiker Hans Ries habe sich in den vergangenen Tagen und Wochen schon abgezeichnet.

„Es ist dennoch nicht so wie von uns erhofft ausgegangen. Wir müssen das zur Kenntnis nehmen.“ Als stärkste Fraktion in der künftigen Stadtverordnetenversammlung werde die WGH Gespräche mit den anderen führen. „Wenn sich wie in der vergangenen Legislaturperiode aber die anderen wieder zusammentun, dann wird es schwer für uns. Das ist aber nicht der erklärte Wählerwille.“ Von daher hat die WGH auch die Erwartung, den Vorsitzenden des künftigen Stadtparlaments stellen zu dürfen.

Als absolut positives Resultat, für das alle um ihn herum gekämpft hätten, bezeichnet der bisherige CDU-Fraktionsvorsitzende Eckhard Bock den Ausgang der Stichwahl. Mit Daniel Iliev werde die Arbeit in der Stadtverordnetenversammlung künftig wieder sachlicher. „Ich glaube, dass Iliev Moderator sein wird. Er wird sicher auf uns eingehen und Politik mit und nicht gegen die Stadtverordneten machen“, so Bock.

Was macht Hans Ries?

Zur künftigen Arbeit in der Stadtverordnetenversammlung mochte Bock noch keine Stellungnahme für die CDU abgeben, da erst noch Gespräche mit den anderen Gruppierungen geführt werden müssten. Die Zusammenarbeit mit der WGH sei darüberhinaus abhängig davon, ob der amtierende Bürgermeister Hans Ries sein politisches Mandat im Stadtparlament annehmen werde.

Für Manfred Wenk, Vorsitzender der GfH, lasse der Ausgang der Stichwahl auf ein anderes, besseres Klima in der Stadtpolitik hoffen. Ziel sei es, künftig tragbare Ergebnisse für alle Bürger zu erreichen. Wenk möchte auf jeden Fall weg von der Partei- und hin zur Sachpolitik. Gespräche mit den anderen Gruppierungen seien von der GfH noch nicht geführt worden. Wenk signalisiert aber bereits, dass er kein Problem damit hätte, wenn die von der stärksten Fraktion WGH als Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung ins Gespräch gebrachte Ute Marhold auch tatsächlich diesen Posten übernehmen würde. „Ich würde sie akzeptieren und sie würde meine Zustimmung bekommen.“

Ähnlich wie Wenk bewertet auch der bisherige SPD-Fraktionssprecher Frank Roth den Wahlausgang. Für ihn sei erstaunlich gewesen, wie viele junge Menschen Daniel Iliev unterstützt hätten. „Wir haben jetzt eigentlich wieder einen SPD-Bürgermeister. Das heißt aber für die Zukunft überhaupt nichts. Wir haben mit den anderen Parteien noch keine Gespräche mit Blick auf das kommende Stadtparlament geführt.“

Oberstes Ziel müsse nun sein, wieder Ruhe in die politische Arbeit einkehren zu lassen. Dass Ute Marhold von der WGH als Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung ins Gespräch gebracht wird, findet Roth legitim. „Die Besetzung der Posten entscheiden wir von der SPD aber nicht alleine.“

Drei Fragen an Daniel Iliev

Bei der Stichwahl zum Bürgermeisteramt in Heringen hat Herausforderer Daniel Iliev den Sieg errungen.

Hallo Herr Iliev, sind Sie schon wieder nüchtern? 

Iliev: (lacht) Es geht, die Kopfschmerzen sind weg. Ich bin ja auch schon wieder an der Arbeit. Ich brauche sicher noch ein paar Tage, bis ich die Geschehnisse vom Sonntagabend so richtig verarbeitet habe.

Was ändert sich mit Ihnen in der Stadtpolitik? 

Iliev: Wichtig ist, dass nicht alle Themen in der Öffentlichkeit ausgebreitet werden. Vieles kann intern geklärt werden, ohne weiter Porzellan zu zerschlagen. Es ist ohnehin viel zu viel davon zu Bruch gegangen, dass nun gekittet werden muss.

Was hat Amtsinhaber Hans Ries zu Ihnen gesagt? 

Iliev: Er hat Größe gezeigt und mir alles Gute gewünscht. Ich habe ihm für seine Arbeit in den vergangenen zwölf Jahren gedankt. Es waren viele gute Dinge dabei, die er für Heringen getan hat. Ries sollte sein Wissen weiter einsetzen.

Kommentare