„Wir setzen auf Freiwillige“

Montagsinterview: Heringens Wahlleiter Kai Adam über die Suche nach Helfern

Die Ergebnisse im Blick: Kai Adam, Wahlleiter der Stadt Heringen, zeigt an einem Diagramm wie, die letzte Landratswahl im Jahr 2009 in der Stadt Heringen ausgegangen ist. Damals hatte sich Amtsinhaber Dr. Karl-Ernst Schmidt (CDU) gegen den Herausforderer Manfred Koch (SPD) aus Kirchheim durchgesetzt. Foto: Eisenberg

Heringen. Städte und Gemeinden haben zunehmend Probleme, genügend Freiwillige als Wahlhelfer zu finden. Wir sprachen über das Thema mit Kai Adam, dem Wahlleiter der Stadt Heringen.

In Heringen wurde sogar schon während Stadtverordnetenversammlungen im Publikum nach Wahlhelfern gesucht. Ist es wirklich so schwierig, Freiwillige zu finden?

Kai Adam: Generell wird es immer schwieriger. Für die Landratswahl hatten wir allerdings relativ früh schon viele Zusagen. Wen wir erst einmal als Helfer gewinnen konnten, der ist auch bei einer anderen Wahl gerne wieder dabei.

Wie erklären Sie sich, dass die Hemmschwelle für Neulinge offenbar sehr hoch ist?

Adam: Es ist natürlich nicht sehr lukrativ, sich den Sonntag, von 7.30 Uhr bis das Ergebnis feststeht, um die Ohren zu schlagen. Der Tag ist für andere Aktivitäten verloren. Es hat sich etwas gebessert, seit wir eine Vormittags- und eine Nachmittagsschicht eingeführt haben.

Spielt vielleicht auch das schlechte Klima in der Heringer Stadtpolitik eine Rolle?

Adam: Das würde ich außen vor lassen. Es ist eher ein generelles Problem. Auch die Wahlbeteiligung sinkt ja nicht nur bei uns. Die jungen Leute scheinen sich immer weniger mit der Politik zu befassen.

Wie kann man das Ehrenamt attraktiver machen? Muss die Aufwandsentschädigung erhöht werden?

Adam: Das haben wir in Heringen schon getan. Bei der letzten Landratswahl im Jahr 2009 haben wir noch den Minimalsatz von 16 Euro Erfrischungsgeld gezahlt. Mittlerweile sind wir bei 30 Euro. Bei der letzten Europawahl haben wir erstmals einen Reisegutschein im Wert von 300 Euro unter allen Wahlhelfern verlost. Bei der Landratswahl machen wir das wieder. Da sind es allerdings drei Heringen-Gutscheine im Wert von je 100 Euro.

Bringen diese Maßnahmen den gewünschten Erfolg?

Adam: Ja. Nach einem Aufruf im städtischen Mitteilungsblatt haben sich auch jüngere Leute – darunter Studenten und volljährige Schüler – gemeldet. Man muss es eben publik machen.

Sie verlassen sich aber nicht ausschließlich darauf, dass sich Wahlhelfer von selbst melden?

Adam: Da arbeiten wir mehrgleisig: Wir schreiben die Parteien und Wählergruppen, die in den Wahlbezirken ansässig sind, an. Die bekommen etwa vier Wochen Zeit, uns Wahlhelfer zu benennen. Außerdem treten wir an die Ortsbeiräte heran, damit die im Gremium oder im Ort nachfragen, wer Interesse hat. Zusätzlich finden sich immer auch nicht Parteigebundene durch unsere Aufrufe.

Vielerorts trifft man über Jahre hinweg bei unterschiedlichen Wahlen immer auf dieselben Helfer im Wahllokal. Wäre es nicht besser, den Aufwand auf mehr Schultern zu verteilen?

Adam: Das stimmt. Wir versuchen auch, den Helferstamm zu verjüngen. Teilweise klappt das durch unsere Aufrufe auch. Wahlvorsteher und Stellvertreter sind natürlich erfahrenes Stammpersonal. Unser Ziel ist es, auch junge Leute, die schon einige Male bei Wahlen mitgewirkt haben, in diese Führungspositionen zu bekommen.

Sie könnten ja auch einfach beliebige Einwohner aus dem Melderegister einteilen. Absagen darf man schließlich nur mit triftigem Grund…

Adam: Wer mit Desinteresse an die Sache herangeht, der schüttelt sich auch eine Ausrede aus dem Ärmel und sagt: „Ich bin im Urlaub“, „Ich habe eine Familienfeier“ oder „ich bin beruflich verhindert“. Als Wahlleiter habe ich nicht die Zeit, das alles nachzuprüfen. Deshalb setzen wir auf die Freiwilligen, die Interesse an der Ausübung des Wahlehrenamtes zeigen.

Musste während Ihrer Amtszeit schon mal ein Bußgeld verhängt werden, weil ein Wahlhelfer unentschuldigt oder ohne guten Grund gefehlt hat?

Adam: Nein, das haben wir bisher noch nicht ausgeschöpft. Ich habe aber schon das eine oder andere ernsthafte Gespräch am Telefon geführt.

Was war die dreisteste Ausrede, mit der sich ein Wahlhelfer vor seinem Einsatz drücken wollte?

Adam: Das ist dann einfach: „Ich habe keine Zeit und ich werde Ihnen auch keinen Hinderungsgrund benennen“. Damit sind solche Gespräche dann auch beendet.

Von Jan-Christoph Eisenberg

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