Stadtverordnete legen mit zwei Beschlüssen Grundstein für möglichen Einkaufspark

Die Werrastadt beleben

Heringen. Mit der Belebung der Heringer Innenstadt durch die Ansiedlung eines großen Einkaufsparks könnte es doch noch etwas werden. Die Stadtverordneten haben während ihrer Sitzung am Donnerstagabend im Bürgerhaus in Heringen einstimmig einen Aufstellungsbeschluss zur Änderung des Flächennutzungsplans und des Bebauungsplans „Nordöstlicher Ortskern“ beschlossen.

Genauer gesagt handelt es sich um eine riesige Fläche oberhalb der Hauptstraße in Richtung Brüder-Grimm-Straße. Links und rechts wird das Gebiet von der Lindigstraße und der August-Vilmar-Straße abgeschlossen.

Schon einmal auf Prüfstand

Schon vor einem Jahr hatte Bürgermeister Hans Ries während einer Bürgerversammlung das Interesse der Heringer Bürger an einem solchen Projekt abgeklopft. Selbst eine Bürgerbefragung über das Mitteilungsblatt der Stadt hatte es gegeben. Damals wollten 46,4 Prozent der Heringer, die sich an der Abstimmung beteiligt hatten, das neue Innenstadtprojekt und die Erweiterung der bestehenden Einkaufsmärkte im Ried.

Bürgermeister Ries hatte sich vehement dafür eingesetzt, nur das Innenstadtprojekt zu forcieren und die Märkte im Ried auf dem Ist-Zustand einzufrieren. Das sahen seinerzeit 21,7 Prozent der Heringer auch so. 31,9 Prozent sprachen sich für die grüne Wiese und gegen einen Einkaufspark im Zentrum der Stadt aus. Von den seinerzeit 6268 Wahlberechtigten hatten sich 586 an der Befragung beteiligt.

Ries hatte im Anschluss an die Auswertung wegen der gewünschten Weiterentwicklung der Märkte am Stadtrand das Innenstadtkonzept persönlich für tot erklärt.

Doch obwohl von den Stadtverordneten schon vor der Bürgerbefragung im vergangenen Jahr durch Mehrheitsbeschluss auch Wachstum auf der grünen Wiese zugelassen worden war, scheint es nun doch einige Interessenten zu geben, die das Einkaufspark-Projekt in der Kernstadt realisieren möchten.

Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. So versuchte Eckhard Bock (CDU) die Aufstellungsbeschlüsse durch eine Protokollnotiz zu torpedieren. Danach sollte die Stadt sich auf keinen Fall in irgendeiner Weise finanziell an dem Projekt beteiligen. „Ein Investor ist willkommen, er muss nur wissen, dass er von uns keinen Cent zu erwarten hat. Wir sind pleite“, rief Bock in den Saal.

„Was wollen wir?“

Dazu erklärte Ries, das es nur um die Weichenstellung und keinerlei konkrete Umsetzung irgendeines Projektes gehe. Darüber müsste dann zu gegebener Zeit gesprochen werden. „Die Stadt Bad Hersfeld hat die Amazon-Ansiedlung seinerzeit mit 12 Millionen Euro unterstützt. Wir müssen das Bürgerhaus jährlich mit 185 000 Euro bezuschussen – für was? Wenn wir für das Innenstadtprojekt 500 000 Euro in die Hand nehmen würden, wären pro Jahr lediglich 9500 Euro an Zinsen fällig. Wir müssen wissen, was wir wollen“, sagte Ries.

Die von der CDU geforderte Protokollnotiz wurde von neun der 19 anwesenden Stadtverordneten abgelehnt. Sechs stimmten dafür, vier enthielten sich.

Von Mario Reymond

Kommentare