Gefahr fürs Trinkwasser aus der Kaliabwasser-Versenkung

Vertuschungsvorwürfe gegen Hessens Umweltministerin Hinz

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Wiesbaden/Kassel. Vertuschungsvorwürfe gegen Hessens Umweltministerin Priska Hinz: Die Grünen-Politikerin soll Warnungen ihrer eigenen Fachleute in den Wind geschlagen haben, die sich gegen das umstrittene 60-Jahre-Konzept zur weiteren Entsorgung von Kaliabwässern an der Werra im Kreis Hersfeld-Rotenburg stellen.

Vor allem gegen die eine erneut verlängerte Versenkung von Salzabwässern des Kasseler K+S-Konzerns in tiefe Untergrundschichten des Plattendolomit bis zum Jahr 2021 wandten sich die Experten des Hessischen Landesamtes für Umwelt und Geologie (HLUG). Das schreibt der Spiegel in seiner aktuellen Ausgabe.

„Begründete Besorgnis“ habe das HLUG im Sommer 2014 angemeldet: Die weitere Abwasserversenkung gefährde das Grundwasser im Buntsandstein durch zunehmende Versalzung, zitiert das Magazin. Die HLUG-Fachleute hätten ihre Bedenken, dass neben Heilquellen im Raum Bad Hersfeld rund ein Dutzend Trinkwasserbrunnen an der Werra kurzfristig unbrauchbar werden könnten, im September dem Ministerium dann noch einmal mündlich vorgetragen. Und damit kurz bevor Ministerin Hinz das 60-Jahre-Konzept, das bis zum Jahr 2075 reichen soll, mit K+S-Chef Norbert Steiner der Öffentlichkeit präsentierte.

Hessens Umweltministerin Priska Hinz (Grüne)

Jede Salzabwasserversenkung in den Plattendolomit ziehe „unweigerlich nachteilige Veränderungen der Wasserbeschaffenheit in dem zur Trinkwassergewinnung genutzten Buntsandstein-Grundwasserleiter nach sich und vergrößert den dort bestehenden Grundwasserschaden weiter“, warnt der 41-Seiten-Vermerk des HLUG, der unserer Zeitung vorliegt. Zum Beispiel der Tiefbrunnen Eitra südlich von Bad Hersfeld: „Aufgrund der hohen Chloridkonzentration, die teilweise den Grenzwert der Trinkwasserverordnung von 250 mg/I deutlich überschreitet, ist die Nutzung zur Trinkwasserversorgung bereits heute eingeschränkt.“

Veränderungen im Grundwasser stünden „offensichtlich in Zusammenhang mit der Salzabwasserversenkung“, stellen die Fachleute des Ministeriums fest, die seit Jahren in diese Richtung warnen. Wie der Grundwasserschaden aus rund 100 Jahren Kaliabwasser-Versenkung saniert werden könne, sei derzeit nicht ersichtlich, so ihre Einschätzung.

Dass das HLUG-Papier jetzt bekannt wurde, ist offenbar hartnäckigen Bemühungen der thüringischen Werra-Gemeinde Gerstungen zu verdanken. Die liegt wegen ihrer Trinkwassergewinnung mit dem Regierungspräsidium Kassel und K+S seit Jahren über Kreuz. Mithilfe des Verwaltungsgerichts Kassel, schreibt der Spiegel, hätten Gerstunger Gemeindevertreter jetzt Einblick in Akten bekommen, die eigentlich „in den Behördenschubladen bleiben sollten“.

Peinlich für Grünen-Ministerin Hinz: Sie will sich bis Mitte März mit den anderen Anliegerländern von Werra und Weser über das weitere Vorgehen zur Verbesserung des Zustands der Flüsse einigen. Hessens Verabredung mit K+S stößt unter Hinz´ Ministerkollegen bislang auf heftige Kritik.

Von Wolfgang Riek

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