Das englische „White Horse Theatre“ thematisiert die Probleme eines Flüchtlings

Umarmung zum Schluss

Theater mit aktuellem Bezug: Dem syrische Flüchtling Ravi (Craig Wake, zweiter von links) schlägt auf der Bühne die pure Ablehnung entgegen. Foto: Finke/nh

Heringen. Englischunterricht der ganz besonderen Arterlebten die Schüler und Schülerinnen des 7. und 8. Jahrgangs der Werratalschule Heringen, als ein vierköpfiges Team des Tourneetheaters „White Horse Theatre“ ihnen in der Aula der Schule das Stück „Promised Land“ präsentierte.

Ihre Motivation zum Englischlernen erfuhr einen ganz beachtlichen Schub dank der Erfahrung, dass sie problemlos dieses etwa einstündige anspruchsvolle Theaterstück verstehen konnten.

Vor allem aber berührten die brennend aktuellen Themen von Flucht, Rassismus und Gewalt. Peter Griffith, Direktor von White Horse Theatre und Autor des Stückes „Promised Land“, zeigt den beschwerlichen Weg des jungen Syrers Ravi auf.

Nach der Flucht durch den Eurotunnel nach England fasst er dort nach Überwindung vielerlei Hindernisse allmählich Fuß und ihm wird nach zwei Jahren endlich das erhoffte Asylrecht zuerkannt. Doch nun sieht sich der junge Mann, der äußerst einfühlsam von Craig Wake dargestellt wird, in seinem neuen Wohnviertel der dumpfen rassistischen Gewalt einer Jugendbande ausgesetzt. Lebendig von Alice Corrigan, Rosie Thornwood und Martin Lomas verkörpert, ist es ihr erklärtes Ziel, Ravi schnell wieder aus ihrem Viertel zu vertreiben.

Man hätte in der Aula der Werratalschule die berühmte Stecknadel fallen hören können, als die Jugendlichen verfolgten, wie sich allmählich ein Umdenken – zumindest bei den beiden Mädchen der Gang – entwickelt und sie in Ravi einen liebenswerten Menschen kennenlernen, der sei Heimatland Syrien über alles liebt, der aber des Schutzes seines Gastlandes bedarf.

In Syrien wurden sein Vater und sein Bruder erschossen, da sie sich für eine friedliche Lösung ethnisch-religiöser Konflikte einsetzten, und nur durch ihre Flucht entkamen er und seine Mutter demselben Schicksal.

Betroffenheit bei Schülern

Dem jugendlichen Heringer Publikum war seine Betroffenheit am Schluss des Stückes anzusehen. Und dass es sich nicht etwa um eine ihnen ferne Thematik handelte, wurde in einem bewegenden Moment während des sich anschließenden kurzen Gesprächs mit den Schauspielern eindrucksvoll deutlich. Aus dem Publikum meldete sich ein Jugendlicher zu Wort. Er erhob sich, stellte sich als erst vor kurzem eingetroffener Syrer vor und dankte der Theatertruppe für ihre Vorstellung. Den meisten Jugendlichen, die nun wieder dem regulären Unterricht zustrebten, entging am Rande des Geschehens die rührende Szene einer Umarmung von eben diesem wirklichen Flüchtling aus Syrien mit Craig Wake, dem Darsteller des Syrers Ravi aus dem Stück „Promised Land“. (red/fin)

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