Ein Ende des Streits um die salzhaltigen Abwässer in der Heringer Kläranlage ist nicht absehbar – Immer neue Schuldzuweisungen

Salzlauge: Ries greift jetzt RP Lübcke an

Walter Lübcke

Heringen. In Sachen Chloridzufluss in das städtische Kanalsystem fordert Heringens Bürgermeister Hans Ries den Regierungspräsidenten Walter Lübcke abermals in einem Schreiben auf, ihn über den aktuellen Sachstand zu informieren. „Ich lasse mich nicht von einer Behördenvertreterin wegen einem angeblichen Mangel an Offenheit und Transparenz öffentlich angreifen, deren eigener Mann bei der Geheimhaltung der Laugenproblematik demnach deutlich involviert war und eine wesentliche Rolle gespielt hat, während sich die zuständige Aufsichts- und Genehmigungsbehörde nach wie vor weigert, die entsprechenden Unterlagen, die Aufschluss über die Kenntnislage und das Handeln des Regierungspräsidiums geben könnten, herauszugeben“, schreibt der Bürgermeister an den Regierungspräsidenten. Mit Aufsichts- und Genehmigungsbehörde ist die beim Landrat angesiedelte Kommunalaufsicht gemeint, deren Leiterin Marianne Hühn ist. Hans Ries bringt in dieser Sache immer wieder den Namen von Hühns Ehemann ins Spiel, der von 1985 bis 1992 Bürgermeister in der Werrastadt gewesen ist. Ries wirft seinen Amtsvorgängern immer wieder vor, seit den achtziger Jahren von den Abwasserproblemen in Heringen gewusst und nicht gehandelt zu haben. Dagegen verwahrt sich Marianne Hühn mit Vehemenz. Sie hat bereits Strafanzeigen in diesem Fall gegen den Heringer Bürgermeister gestellt.

Ries weiter in der Offensive

Doch das stört Ries nicht. Er geht weiter in die Offensive, um zu erfahren, wer denn nun Schuld an der ganzen Misere hat. Er selbst will erst im Jahre 2010 von den immensen Chlorideinträgen in die Kläranlage erfahren haben, nachdem in den Bereichen Heinerberg und Wölfershäuser Straße die dortigen Häuser und Grundstücke an das öffentliche Kanalnetz angeschlossen worden sind. Seine Vorgänger dagegen seien sehr wohl über diese Problematik informiert gewesen, behauptet Ries immer wieder und bezieht sich dabei auf Schreiben seiner Amtsvorgänger aus den achtziger Jahren an die hessiche Landesregierung und hochrangige Politiker des Landes.

„Ich wollte nur ein Problem lösen, das andere in offenbar unfassbarer Verantwortungslosigkeit liegengelassen haben und nun macht hier jemand eine politische Affäre daraus, die durch ihre Verweigerungshaltung noch schlimmer wird. Hätte man mich unterstützt, zumindest wie das die mit Ingenieuren besetzten Fachabteilungen getan haben, und wäre man nicht so offenkundig den Heringer Parteipolitikern hinterhergelaufen, könnte das Problem ohne Aufhebens schon längst erledigt sein“, empört sich Ries.

Jetzt der RP als Zielscheibe

Besonders erbost ist der Bürgermeister darüber, dass der Regierungspräsident die notwendigen Genehmigungen für den Kanalbau am 10. Februar 2015, nach dem Besuch von Heringer SPD-, CDU- und UL-Vertretern in Kassel wieder gestoppt habe. „Wie erklären Sie sich die Tatsache, dass genau diese Parteipolitiker, nur wenige Tage, nachdem sie ohne unser Wissen und ohne Fachingenieure bei ihnen waren, den Antrag im Parlament stellten, die nötigen Baumaßnahmen bis 2021 zu verschieben? Und warum mussten sie von der Umweltministerin auf meine Initiative hin vor ein paar Wochen per Erlass zu meiner Unterstützung aufgefordert werden?“, fragt Ries den Regierungspräsidenten.

Von Mario Reymond

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