Wochenendporträt: Rastlos im Ruhestand

Bäuerin Elfriede Milewski ist auch mit fast 80 Jahren noch aktiv

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Bäuerin mit Leib und Seele: Elfriede Milewski aus Philippsthal hilft, wie hier beim Versorgen der Kälber, noch täglich auf dem Hof mit. Die Sängerbrosche trägt sie dabei – stellvertretend für ihre ehrenamtlichen Tätigkeiten – natürlich nur fürs Foto.

Philippsthal. „Als Bäuerin gibt es keinen Ruhestand wie in anderen Berufen“, betont Elfriede Milewski aus Philippsthal. Die Landwirtschaft haben sie und ihr Mann, der damals noch lebte, bereits 1998 an die Tochter und den Schwiegersohn übergeben.

„Auf einem Bauernhof kann man sich auch im Alter noch nützlich machen und mithelfen“, meint die 79-Jährige. Und das macht sie. Den ganzen Tag nur fernzusehen, das wäre kein Leben für Elfriede Milewski. Wäre es nach ihrem Vater gegangen, dann hätte sie lieber ein Junge sein sollen. Hatte er sich doch sehnlichst einen Stammhalter für seinen Bauernhof gewünscht, der nachweislich schon in der zehnten Generation im Besitz der Familie Kohlhepp war. Davon zeugt unter anderem ein Grabstein in der Philippsthaler Kirche mit der Inschrift „Alhier ruhet in Gott der ehrsame und bescheiden Her Heinrich Kohlhepp“. Als Geburts- und Sterbejahre sind 1697 und 1728 angegeben.

Zwillingsschwestern

Elfriede Milewskis Mutter gebar erst zwei Mädchen und später auch noch zwei Zwillingsmädchen. Schon früh zeigte sich, dass Elfriede, die Erstgeborene der Zwillinge, den Hof übernehmen wollte. Von Kindheit an zeigte sie großes Interesse an den landwirtschaftlichen Arbeiten. Schlepperfahren und der Umgang mit Maschinen gehörten ebenso selbstverständlich zu ihrem Tagwerk, wie die umsichtige Fürsorge für die Tiere. Durch ihre Hochzeit mit Erich Milewski, einem Agraringenieur aus Ostpreußen, kam nun nach Jahrhunderten ein anderer Name und ein neuer Wind auf den traditionsreichen Bauernhof. Bald zeigte sich, dass das alte enge Gehöft in der Ortsmitte mit einem etwa 300 Jahre alten Haus – die Inschrift „1685 George Kohlhepp“ über der Tür belegte das hohe Alter – den Anforderungen einer zeitgemäßen Landwirtschaft nicht mehr genügte. 1968 wurde deshalb am Ortsrand ein Aussiedlerhof errichtet.

Neben der täglichen Arbeit in Haus und Hof und der Fürsorge für Ihre Familie wusste sich Elfriede Milewski aber immer auch einen gewissen persönlichen Freiraum zu erhalten. 60 Jahre singt sie nunmehr engagiert im örtlichen Frauenchor, den sie 1955 mitgegründet hat. „Das Singen war immer ein schönes Hobby und Ausgleich zur Landwirtschaft“, betont sie.

17 Jahre lang leitete Elfriede Milewski den Landfrauenverein Werratal und hat auch einige Jahre im Bezirksvorstand der Landfrauen mitgearbeitet. Schon in der Jugend hatte sie bei einem achtwöchigen Lehrgang in der Heimvolkshochschule Fürsteneck vielfältige Anregungen zu einer bereichernden Freizeitgestaltung bekommen, die sie im Verein weitergeben konnte. Und davon zehrte sie das ganze Leben – Mühe und Arbeit sollten schließlich nicht alles gewesen sein.

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