Neue Heimat an der Halde

K+S stellt Unterkünfte für Flüchtlinge zur Verfügung

Zwischen Werk und Halde: Die Bergmannshäusern an der Widdershäuser Straße in Heringen stehen noch nicht lange leer. Sie sollten eigentlich der Haldenerweiterung weichen. Jetzt sollen dort vorübergehend Flüchtlinge wohnen. Fotos: Struthoff

Heringen. Auf der einen Seite rauchen die Schlote bei K+S. Auf der anderen Seite kriecht die Salzhalde schon fast in die Gärten. Die Häuser an der Widdershäuser Straße in Heringen haben schon bessere Zeiten gesehen. Kein Wunder, eigentlich sollten sie bald der wachsenden Abraumhalde weichen.

Nun werden in den alten Bergmannshäusern und auch in zwei leerstehenden Villen bald Flüchtlingen ein neues Zuhause auf Zeit finden. K+S hat dem Landkreis die Immobilien befristet für ein Jahr als Wohnraum angeboten.

„Wir möchten einen Beitrag dazu leisten, den Menschen, die aus ihrer Heimat geflohen sind und alles zurückgelassen haben, das Ankommen in Deutschland zu erleichtern,“ sagt Christoph Wehner, Werksleiter des Kaliwerkes Werra, „und wir wollen die Kommunen unserer Standorte, die vor großen Herausforderungen stehen, als Partner unterstützen.“ Auch ein Haus in der Kreyenberggemeinde im Wartburgkreis wird zur Verfügung gestellt.

In Heringen handelt sich um fünf Doppelhäuser und zwei alte Villen, „die bis auf eines alle sehr brauchbar und sofort bezugsfertig sind“, berichtet Kreissprecher Dirk Herrmann nach einer ersten Besichtigung der Objekte durch den Fachdienst Migration. Sobald einfache Möbel und Kücheneinrichtungen zur Verfügung stehen, könnten die Flüchtlinge einziehen. Herrmann schätzt, dass je nach Zusammensetzung 30 bis 40 Menschen in den Häusern Platz finden können. Das könnte vermutlich ab Mitte November der Fall sein.

Nach Informationen unserer Zeitung soll K+S die Häuser dem Landkreis zu einem eher symbolischen Mietpreis zur Verfügung stellen. Eine völlig kostenlose Nutzung ist aus rechtlichen Gründen aber nicht möglich.

Auch Landrat Dr. Michael Koch freut sich sehr über das Angebot von K+S, weil der Landkreis dringend auf der Suche nach geeignetem Wohnraum ist. „Womöglich werden wir in den nächsten zehn Wochen noch einmal genauso viele oder mehr Flüchtlinge aufnehmen müssen als im gesamten Jahr bisher. Da kommt das Angebot von K+S zur rechten Zeit,“ sagt Koch.

Mehr als 300 Flüchtlinge werden im Kreis derzeit in Unterkünften in Ronshausen und auf dem Wehneberg in Bad Hersfeld und in angemieteten Wohnungen unter anderem in Heringen, Rotenburg, Bebra und Mühlbach untergebracht. Zeltstädte oder Containerdörfer gibt es im Landkreis Hersfeld-Rotenburg nicht. Auch Schul- oder Stadthallen werden derzeit nicht für die Unterbringung verwendet.

Und das soll möglichst auch so bleiben.

Von Kai A. Struthoff

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