Gasausbruch in der Kaligrube Unterbreizbach

Nach Grubenunglück: Leichen der verunglückten Bergleute geborgen

+

Unterbreizbach. Drei Bergleute im Alter von 24, 50 und 56 Jahren sind gestern bei einer Explosion unter Tage am Schacht 2 im thüringischen Unterbreizbach ums Leben gekommen. Am frühen Mittwochmorgen wurden ihre Leichen geborgen.

Die Arbeit in der Kaligrube ruht weiterhin. "Es wird noch Tage dauern, bis wir wieder in die Bereiche hineinkönnen", sagte Werksleiter Dr. Rainer Gerling. Bisher sei man noch nicht in dem Bereich vorgedrungen, in dem sich der Gasausbruch ereignet hatte. Alle seien tief betroffen. Angehörige und Rettungskräfte werden seelsorgerisch betreut.

Beim Gewinnungssprengen an dem zum Werk Werra gehörenden Standort hatte sich am Dienstag um 13.10 Uhr in einer Tiefe von 900 Metern ein Kohlensäure-Ausbruch ereignet.

Lesen Sie auch:

- Drei Kumpel vermutlich erstickt

- Kommentar zum Grubenunglück

- Leichen nach Unglück geborgen

Sieben Bergleute, die sich kilometerweit von der Explosionsstelle am Schacht aufgehalten hatten – im sogenannten sicheren Bereich – waren zunächst unter Tage eingeschlossen. Zwei wurden umgehend gerettet. Zwei weitere, die Zuflucht in einer Schutzkammer in einer Tiefe von 700 Metern gefunden hatten, befreite die Grubenwehr gegen 17.45 Uhr. Die beiden Bergleute standen dabei ständig in Funkkontakt mit der Grubenwehr und den Helfern über Tage. Zwei der vier geretteten Bergleute kamen zur medizinischen Betreuung in ein Krankenhaus. Das bestätigte die Ehefrau eines betroffenen Bergmannes erleichtert. Große Hoffnung, die zu diesem Zeitpunkt noch vermissten drei Bergmänner zu finden, hegten gegen 18 Uhr nur noch Optimisten.

Sauerstoff reicht eine Stunde

Schließlich reicht der Sauerstoff in den Selbstrettern, die die Bergleute immer am Mann tragen müssen, maximal eine Stunde. Außerdem habe zu ihnen nach Angaben eines K+S-Pressesprechers zu keinem Zeitpunkt Funkkontakt bestanden. Eine geraume Zeit, nachdem die beiden Männer aus der Schutzkammer durch Mitglieder der Grubenwehr befreit worden waren, entdeckten die Einsatzkräfte schließlich die drei anderen vermissten Bergmänner tot am Schacht. Ob sie erstickt oder durch die Druckwelle ums Leben gekommen sind, ist noch nicht bekannt. Die Staatsanwaltschaft und das zuständige Bergamt haben die Ermittlungen aufgenommen.

Grubenunglück in Unterbreizbach

Außergewöhnliche Ereignis Ein K+S-Sprecher bezeichnete diesen enormen Kohlensäure-Ausbruch als ein außergewöhnliches Ereignis, das es so vor 50 Jahren zum letzten Mal gegeben habe. Die Druckwelle war so stark dass es zu einer enormen Staubentwicklung kam. Die Rauchwolke breitete sich über die beiden Unterbreizbacher Schachtanlagen nach oben aus und war über Tage noch kilometerweit zu sehen. Die Fahrzeuge auf dem Parkplatz vor den Werkstoren waren dick mit einer hellgrauen Staubschicht überzogen. Alle Bergleute, die zur Mittagsschicht in die Grube einfahren wollten, wurden wieder nach Hause geschickt. Wann die Produktion in den komplett mit giftigen Gasen durchzogenen Schachtanlagen wieder aufgenommen werden kann, stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest. Die Grubenwehr war rund um die Uhr mit der Belüftung des unterirdischen Tunnelsystems beschäftigt.

Arbeit im Schacht ruht

Zudem muss nach einer derartigen Explosion die aktuelle Beschaffenheit des Gesteins unter Tage genauestens untersucht werden.  Die Betroffenheit in der Region ist groß, am Werkstor wurden Kerzen aufgestellt. (rey/jce)

Kommentare