Stadtverordnete bremsen bei Nahversorgungszentrum

Kanalbau weiter auf Eis

Herfa. Mittlerweile gibt es einen zweiten Investor, der im Zentrum von Heringen ein Nahversorgungszentrum errichten möchte (wir berichteten), doch die Stadtverordneten zeigten sich in ihrer Sitzung am vergangenen Donnerstag in Herfa weiterhin unschlüssig. Sie setzten die Tagesordnungspunkte, die die Flächennutzung regeln würden, ab.

Sehr zum Unwillen von Bürgermeister Hans Ries, der dies als kein gutes Zeichen in Richtung der Investoren verstanden wissen wollte. „Was senden wir denn für ein Signal. Es wird alles nur verschoben. Der Regierungspräsident hat doch bereits signalisiert, dass die Belebung der Innenstadt wichtig ist“, rief der Bürgermeister in die Runde. Doch von dieser Aussage allein ließen sich die Parlamentarier nicht überzeugen. Sie wollen nun erst einmal ein sogenanntes „Auswirkungsgutachten auf den Einzelhandel“ aus dem Regierungspräsidium abwarten, ob das Nahversorgungszentrum denn tatsächlich eine rentable Geschichte in der Werrastadt werden könnte und welche Auswirkungen es auf die bestehenden Märkte im Gewerbegebiet „Im Ried“ haben könnte. Für dieses Gutachten stellten die Stadtverordneten mit großer Mehrheit 15 000 Euro bereit.

Sperrvermerk bleibt

Ebenfalls nicht auf die Tagesordnung schaffte es ein Dringlichkeitsantrag des Bürgermeisters. Darin hatte Ries die Stadtverordneten aufgefordert, endlich den Sperrvermerk hinsichtlich der Kanalsanierung und des Straßenbaus an der Wölfershäuser Straße und am Heinerberg im aktuellen Haushalt aufzuheben. In diesen Straßenbereichen sind die Kanäle aufgrund eines immensen Laugeneintrags bereits erheblich beschädigt. Selbst die Technik der Kläranlage ist durch den Salzfraß bereits in Mitleidenschaft gezogen (wir berichteten mehrfach). Das Gros der Stadtverordneten fordert aber nach wie vor einen exakten Bauzeitenplan. Diesen hat der Bürgermeister bisher nicht zusammenstellen lassen, da dies nicht möglich sei. Für die Bauzeiten sei schlussendlich das Unternehmen verantwortlich. Die Verwaltung könne doch nicht minutiös aufdröseln, wann das Bauunternehmen welche Arbeiten ausführe und wie lang diese dauerten. Schließlich könnten auch einmal Probleme auftreten, merkte Ries an.

Einstimmig beschlossen wurde dagegen ein Aufstellungsbeschluss für eine 6,7 Hektar große Fläche direkt hinter dem Fritz-Kunze-Bad und der Tennishalle in Heringen. Dort plant eine Investorengruppe aus Dubai den Bau von bis zu 80 Ferienhäusern. Drei Bautypen mit einer Grundgröße zwischen 60 und 80 Quadratmetern seien vorgesehen.

Die Stadt selbst geht kein Risiko mit diesem Beschluss ein. Die notwendigen Versorgungsleitungen reichen bis an die vorgesehene Fläche heran. Die Stadt Heringen ist lediglich für die Planungshoheit zuständig. Sämtliche Kosten für die weitere Herstellung der Infrastruktur müssten die Investoren tragen. Das alles würde in über den Aufstellungsbeschluss hinausgehenden Planungsschritten folgen. Dann hätte der Investor beziehungsweise Bauherr eine Übernahme sämtlicher Kosten zu erklären.

Von Mario Reymond

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