Die Tagespflege Haus Kreuzberg wandelte mit Besuchern auf historischen Pfaden

Hugenotten zum Anfassen

Viel zu erfahren und zu sehen gab es im Haus Kreuzberg: Bernd Schuldt erzählte den Gästen von der Zeit der Hugenotten in Philippsthal. Foto: nh

Philippsthal. Was hat der Ort Gethsemane mit Hugenotten aus Südfrankreich zu tun? Diese und viele andere Fragen beantwortete Bernd Schuldt den Tagesgästen, ihren Betreuern und den Damen und Herren aus der Wohnanlage des Hauses Kreuzberg bei der Besichtigung des im Originalstil erbauten Hugenottenhauses. Er berichtete von der jahrelangen Flucht, der wegen ihres protestantischen Glaubens vertriebenen Hugenotten.

Zehn Familien siedelten sich damals auf dem kargen Hügel oberhalb von Heimboldshausen an. Es war ein beschwerliches Leben. Trinkwasser und Holz mussten täglich von Unterneurode herbei getragen werden. In einem großen Raum spielte sich das tägliche Leben ab, auf dem Dachboden wurden under anderem Lebensmittel gelagert. Eine ausgeklügelte Belüftung schützte vor Feuchtigkeit und Schimmel.

Verschiedene Ausstellungsstücke gab es anzuschauen, darunter eine Original-Luther-Bibel und die Zehn Gebote in französischer Sprache, nach denen sich die strenggläubigen Hugenotten richteten.

An zwei Puppen konnten die Gäste tägliche Arbeitskleidung aus derben Leinen sogar befühlen. Die Hugenotten hatten aber auch besondere Kenntnisse, wie man Seide gewinnen konnte, um daraus die Sonntagskleidung zu weben.

An den Blättern von Maulbeerbäumen konnten sich die Seidenspinnerraupen satt fressen. Die Fäden, die zur Verpuppung dienten, wurden dann gesponnen und zur Herstellung der Seidenkleider genutzt. Daran erinnert noch ein kleines Maulbeerbäumchen hinter dem Haus, dessen köstliche Früchte alle probieren durften. Nach so vielen Informationen kam der Appetit auf den mitgebrachten Kaffee und Kuchen.

Bei einem Spaziergang über das Gelände gab es noch das aus Blumen und Büschen gepflanzte Hugenottenkreuz mit der Friedenstaube zu bewundern.

Vielleicht gäbe es den Ort Gethsemane, der in den 300 Jahren seit seiner Gründung viermal den Namen änderte (Götzmann, Götzmannshöhe, Gezemich, Gethsemane) gar nicht, wenn nicht die Hugenotten aus Südfrankreich vertrieben und dort durch Landgraf Karl von Hessen-Kassel angesiedelt worden wären, heißt es in der Pressemitteilung. (red/nm)

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