150 Beamte im Einsatz - Auch Privathäuser durchsucht

Ermittlungen gegen K+S in Kassel und im Werratal

Kassel/Philippsthal. Derzeit gibt es eine Hausdurchsuchung bei K+S in Kassel und im Werratal. Es geht um den Verdacht, dass Kaliabwässer unerlaubt versenkt worden sind.

Aktualisiert um 12.41 Uhr

Die Staatsanwaltschaft Meiningen und das Landeskriminalamt Thüringen ermitteln wegen des Verdachts des "unerlaubten Umgangs mit Abfällen" gegen die K+S Aktiengesellschaft. Dazu gehört auch eine Hausdurchsuchung derzeit in der Zentrale von K+S in Kassel und in K+S-Büros in Philippsthal und Unterbreizbach.

Nach Informationen der HNA wurden auch die Privathäuser von Vorstandschef Norbert Steiner in Kassel und von Aufsichtsratsvorsitzendem Ralf Bethke in Rheinland-Pfalz durchsucht. Gesucht werden Dokumente, Dateien und Unterlagen, die die Vorwürfe bestätigen - nämlich "den unerlaubten Umgang mit Abfällen in einem besonders schweren Fall", wie die Sprecherin des LKA, Tina Büchner, sagt.

40 Polizei- und zivile Fahrzeuge säumten seit den Morgenstunden die Fahr- und Gehwege der Berta-von Suttner-Straße in Kassel. 150 Beamte waren um 8 Uhr angerückt, darunter Ermittler aus Hessen, Thüringen und Rheinland-Pfalz. Voraussichtlich bis Mittwochabend wird die Aktion dauern.

Video: Stellungnahme von Tina Büchner, Pressesprecherin des LKA Thüringen:

Der Tatvorwurf richtet sich gegen 15 Verantwortliche der K+S Aktiengesellschaft sowie deren Tochtergesellschaften in Kassel, Unterbreizbach und Philippsthal sowie gegen Behördenvertreter aus Thüringen. Ausgangspunkt dieses umfangreichen und langjährigen Verfahrens ist eine Strafanzeige der Gemeinde Gerstungen.

Video: Stellungnahme von Michael Wudonig, Pressesprecher bei K+S:

Laut LKA besteht der Vorwurf, dass im Zeitraum von 1999 bis 2007 insgesamt 9,5 Millionen Kubikmeter salzhaltiges Abwasser, das bei der Kaligewinnung des Werks Unterbreizbach anfiel, in der "Gerstunger Mulde" versenkt wurde.

Das war zwar vom Thüringer Landesbergamt erlaubt worden, dieses hat sich aber laut BKA in vier Genehmigungsbescheiden über Vorschriften zum Schutz des Grundwasser hinweggesetzt. Daher werde auch gegen zwei Mitarbeiter der Behörde ermittelt.

Aufgrund der geologischen Beschaffenheit der Gerstunger Mulde musste von vornherein damit gerechnet werden, dass die versenkten Mengen an Salzlauge nicht wie angenommen in der Speicherformation „Plattendolomit“ verbleiben, sondern sich unkontrolliert ausbreiten.

K+S mit Sitz in Kassel - und mit mehr als 4000 Mitarbeitern der größte Arbeitgeber im Grenzgebiet von Hessen und Thüringen - teilte mit, der Konzern kooperiere in vollem Umfang mit den Ermittlungsbehörden. Zu den laufenden Ermittlungen wollte sich Unternehmenssprecher Michael Wudonig jedoch nicht äußern.

An der Durchsuchung nehmen neben Staatsanwälten aus Meiningen auch Beamte des Landeskriminalamtes Thüringen (TLKA) und der Kriminalpolizeiinspektionen aus Thüringen sowie der Bereitschaftspolizei Thüringen teil. Sie werden von Experten des Bundeskriminalamtes und externen Gutachtern unterstützt.

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