Laugenversenkung: Kein Zynismus, sondern Bergmannsweisheit

Grüne verteidigen sich

Martina Selzer

Hersfeld-rotenburg. Die Grünen wehren sich gegen Kritik an Ihrer Pressemitteilung zur Laugenversenkung von K+S und den Vorwurf des Zynismus im Wochenkommentar „Zwischen den Zeilen“.

Die kritisierte Formulierung „vor der Hacke ist es duster“ seine eine alte Bergmannsweisheit aus dem Ruhrgebiet, erklärt Kreisgeschäftsführerin Martina Selzer. Sie bedeute: Auch mit noch so viel Technik ist der Berg nicht durchschaubar, bleibt ein Rest Unsicherheit über das, was noch nicht aufgebuddelt ist.

Weisheit statt Zynismus

„Das ist überhaupt nicht zynisch, sondern eine sehr zutreffende Weisheit gerade für den Fall der Versenkung!“, so Selzer. Auch die Landesbehörden HLUG und TLUG hätten festgestellt, dass selbst das hochkomplexe 3D-Modell nicht ausreiche, um eine sichere Prognose über den Verlauf der versenkten Lauge zu stellen. „Das Aufsteigen der Lauge, wie wir es beschreiben, ist Fakt und wird von K+S nicht mehr bestritten“, erklärt Selzer.

Es diene neuerdings sogar als Argumentationsgrundlage: Nur deshalb, weil auch Lauge wieder aus dem Untergrund abfließe, könne davon ausgegangen werden, dass sich der Druck im Untergrund nicht erhöhe, weshalb es unschädlich sei, weitere Mengen zu versenken – so K+S. „Wir gehen nicht so weit, das zynisch zu nennen, aber erinnern daran, wie vehement zuvor abgestritten wurde, dass die Brühe wieder rauf kommt!“

Zynisch sei es, immer dann, „wenn die Einhaltung bestehender Gesetze gefordert wird, die Arbeitnehmer in Geiselhaft zu nehmen gegen die Forderung, weiter versenken zu können. „Der Konzern pokert, und die Beschäftigten sind sein Einsatz! Da wird doch mit den Ängsten der Menschen gespielt“, schreibt Selzer.

Mit der Analyse, dass auch mit einem Ende der Versenkung kein Werk geschlossen werden müsse, versuchten die Grünen eben diese Ängste zu nehmen. Wer die Zahlen recherchiere, werde zu einem ähnlichen Ergebnis kommen.

Zudem verweisen die Grünen auf die „berechtigten Ängste“ der Menschen um sauberes Trinkwasser und die Nöte der „kleinen, teilweise hochverschuldeten Gemeinden“, deren Trinkwasserbrunnen möglicherweise nicht mehr nutzbar sind. Kommunalpolitiker seien verpflichtet, sich darüber Gedanken zu machen. Dies sei keine Panikmache, erklären die Grünen und erinnern daran, dass Pfingsten 2007 in Fulda-Neuhof der Versenkraum von einem Tag auf den anderen für nicht mehr aufnahmefähig erklärt wurde. Die Prognose für diesen Versenkraum habe zu diesem Zeitpunkt allerdings auf noch mehrere Jahrzehnte gelautet.

Kritik an Niveaulosigkeit

Scharfe Kritik üben die Grünen an HZ-Kommentator Kai A. Struthoff. „Völlig aus der Rolle fallen Sie aber mit dem Begriff „grenzdebile Salzkratzer“. Wer ist denn damit gemeint? Ist das Ihr persönliches Bild von den Kalikumpels? Wir sind sehr enttäuscht über Ihre Niveaulosigkeit. Bitte arbeiten Sie mit Fakten und nicht mit Emotionen“, schreibt Kreisgeschäftsführerein Selzer und verweist auf ihre Pressemitteilung unter www.gruene-hersfeld-rotenburg.de. (red/kai)

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