Museum Burg Wendelstein in Vacha zeigt Sonderausstellung „70 Jahre Kriegsende“

Das Grauen in Bildern

Museumsleiter Eugen Rohm erläutert die Dokumente in der Sonderausstellung „70 Jahre Ende Zweiter Weltkrieg“ im Museum Burg Wendelstein in Vacha. Foto: Heiko Matz

Vacha. „70 Jahre Ende Zweiter Weltkrieg“ lautet der Titel einer neuen Sonderausstellung im Museum Vacha. Gestaltet wurde sie von Ernst-Wolfram Schmidt aus Philippsthal, Marcel Ziller aus Dorndorf und Eugen Rohm aus Vacha.

Die drei sind Mitglieder des Heimat- und Geschichtsvereins der Stadt. Sofort ins Auge fallen die Bilder an den Wänden – Radierungen von Otto Paul Gustav Hennicke, mit denen er seine Eindrücke aus dem Zweiten Weltkrieg künstlerisch verarbeitet hat. Diese seien auf Anregung von der ehemaligen Museumsleiterin Renate Hermes in die Ausstellung aufgenommen worden.

Die Enkelin von Otto Paul Gustav Hennicke wohne in Philippsthal und sei im gleichen Malzirkel wie Renate Hermes, erzählt Eugen Rohm. Otto Paul Gustav Hennicke war von 1921 bis 1934 Lehrer in Springen-Frauensee, ab 1934 in Tiefenort.

Stellung bezogen

„Er bezog privat und im Unterricht Stellung gegen die Judenverfolgung“, heißt es auf der Tafel, was ihm reichlich Ärger eingebracht habe – bis er selbst in den Krieg ziehen musste. Seine Bilder zeigen erschütternde Szenen: Gefallene im Schützengraben, Verletzte, Heimkehrer aus der Kriegsgefangenschaft mit ausgemergelten Gesichtern, Flüchtlinge. „Mit diesen Bildern wäre eigentlich schon alles ausgedrückt“, sagt Eugen Rohm. Dennoch habe man es für wichtig erachtet, die Ausstellung auch mit geschichtlichen Dokumenten auszustatten.

So gibt es eine Zeittafel von 1939 bis 45 – „Notizen aus dem Zweiten Weltkrieg in Vacha und Umgebung“, die Günter Hermes zusammengestellt hat. Dabei handelt es sich um Eintragungen des damaligen Vachaer Superintendenten Paul Dahinten in der evangelischen Kirchenchronik. Eugen Rohm hat diese Tafel ergänzt mit den Ereignissen, die der Prälat der katholischen Kirchengemeinde niedergeschrieben hat.

Zeitung eingestellt

„Die Rhönzeitung musste ja im Dritten Reich eingestellt werden, deshalb haben vor allem die Pfarrer für sich und ihre Gemeinde die Ereignisse notiert, soweit es möglich war“, erklärt der Museumsleiter. In einer Vitrine sind diverse Kriegshinterlassenschaften wie Sowjetstern, Soldaten-Messer, ein Wörterbuch für die US-Soldaten ausgestellt. Auch Nachkriegswaren sind zu sehen, zum Beispiel Einkaufstaschen, die die damalige Vachaer Weberei Kellermann aus Fallschirmgurten hergestellt hat, und Gebrauchsgegenstände von Klempnermeister Wilhelm Bergmann. „Die Materialien, die vorher zum Teil für die Kriegsproduktion geliefert werden mussten, wurden dann für friedliche Zwecke verwendet“, erzählt Eugen Rohm.

Ein halbes Jahr offen

Die Sonderausstellung, die mindestens ein halbes Jahr zu sehen sein soll, kann während der normalen Öffnungszeiten besichtigt werden: dienstags, donnerstags und freitags von 10 bis 17 Uhr, mittwochs von 10 bis 12 Uhr, samstags, sonntags und feiertags 14 bis 17 Uhr. Freitags geschlossen. Der Eintritt zum Museum kostet drei Euro.

Von Beate Funk

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