„Frieden fängt im Dorf an“

Philippsthal empfängt die ersten Flüchtlinge – die Stimmung ist noch zwiespältig

Großes Interesse: Zu dem Infoabend zur Aufnahme einer Flüchtlingsfamilie in Philippsthal erschienen circa hundert Bürger in der Orangerie. Am Mikrofon Alexandra Klee-Richter. Foto: Dessauer

Philippsthal. Eine Gemeinde mit 4300 Einwohnern am Rande die Landkreises bekommt ihre erste Flüchtlingsfamilie zugeteilt. Die Stimmung auf der Infoveranstaltung zu dem bevorstehenden Zuwachs pendelt zwischen Zuversicht und Unsicherheit.

Etwa hundert Philippsthaler Bürger verschiedener Generationen haben sich in der Orangerie am Schloss eingefunden. Jugendliche, Eltern und Großeltern wollen wissen, was auf ihre Gemeinde zukommt.

Während Alexandra Klee-Richter vom Fachdienst Migration über Asylverfahren, Integrationsmaßnahmen, Sprachkurse und Erfahrungen aus anderen Gemeinden berichtet, wird getuschelt, mit den Füßen gescharrt und hier und da verschränkt jemand die Arme.

Die Unsicherheit, nicht zu wissen, welche Neuerungen sich bald für das Leben in Philippsthal ergeben könnten, ist deutlich spürbar. Ein Raunen geht durch den Raum, als Klee-Richter die Anzahl der Kinder der Familie nennt. Es sind sieben. Dazu kommt noch ein minderjähriger Bruder der Frau. Für eine muslimische Familie ist das vollkommen normal.

Zum einzigen wirklichen Streitpunkt des Abends wird jedoch die Frage nach dem konkreten Ort, an dem die syrische Familie untergebracht wird. Man habe schließlich ein Recht auf diese Auskunft. Klee-Richter behält diese Information aber für sich und weist auf die Privatsphäre der Familie hin. Ein Mann empört sich: „Es wurde ja sowieso schon alles über unsere Köpfe hinweg entschieden!“

Doch Klee-Richter und auch Bürgermeister Ralf Orth wissen die Situation zu beruhigen und den Fokus auf das Wesentliche zu lenken. „Es ist eine humanitäre Aufgabe der Region, sich um diese Menschen zu kümmern“, gibt Orth die Marschrichtung vor, bei der er seine Bürger hinter sich wissen will. „Der Frieden fängt im Dorf und im Landkreis an“, fährt Orth fort. „Lasst uns die Menschen gemeinsam empfangen.“

Eine weitere Perspektive eröffnet eine Lehrerin aus dem Plenum: „Wir können hier auch etwas empfangen und viel voneinander lernen.“ Eine Einstellung, mit der die Integration der neuen Gemeindemitglieder in Philippsthal zweifelsohne gelingen wird. Sofern sie von der Mehrheit geteilt wird.

Von Maik Dessauer

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