60-Jähriger will es noch einmal wissen und angefangene Projekte zum Abschluss bringen

Bürgermeisterkandidat Hans Ries: Ein ehrgeiziger Schaffer

Wenn Heringens Bürgermeister Hans Ries in seiner Werkstatt arbeitet, dann vergisst er alle politischen Probleme, die ihn als Bürgermeister begleiten. Foto: Reymond

Herfa. „Hier unten im Keller kann ich mich erden. Da bekomme ich den Kopf frei“, sagt Heringens Bürgermeister Hans Ries. Der gelernte Elektroniker hat sich dort eine kleine Werkstatt eingerichtet mit Drehbank, Fräse und vielen anderen Werkzeugen – ganz auf das Metallhandwerk ausgerichtet.

Derzeit arbeitet Ries an einem Antrieb für eine Schubkarre. Der Motor einer alten Kettensäge und eine Fliehkraftkupplung sollen dem 60-Jährigen künftig dabei helfen, Brennholz das steile Grundstück hinaufzubefördern. Sein handwerkliches Geschick hat Ries sicher mit in die Wiege gelegt bekommen. Vater und Großvater waren Maurer. Er selbst bezeichnet sich selbst als superguten Handwerker.

Eigenleistung

So hat er in den Jahren von 1994 bis 1997 eine aus vier Häusern bestehende Wohnanlage in Heringen fast komplett in Eigenleistung hochgezogen. „Bis auf das Dach, den Estrich, die Heizung und das Fliesen der Bäder habe ich alles selbstgemacht. Selbst eine doppelwangige Treppe, die sich um einen Schornstein nach oben schlängelt, trägt die Handschrift des Bürgermeisters.

„Ich bin ein Schaffer. Es bereitet mir Freude, wenn die Arme schwarz bis zu den Ellenbogen sind.“ Dieser Ehrgeiz treibt ihn auch als Rathauschef an. „Mein technisches Verständnis hat mir auch als Bürgermeister genutzt. Ich kenne jeden Kanaldeckel in der Stadt und ich bin bei jeder Ingenieursbesprechung dabei“, verdeutlicht Ries.

Eine weitere Gabe, die ihm sein Vater mit auf den Lebensweg gegeben hat, ist die Akribie. „Alles was ich irgendwann einmal begonnen habe, führe ich zum Ende.“ Diese Aussage wird durch die Tatsache belegt, dass er nun doch noch einmal zur Bürgermeisterwahl in seiner Heimatstadt antritt, „weil es noch unerledigte Bauprojekte gibt“, die er unbedingt selbst in seiner Verantwortung umgesetzt wissen möchte.

In erster Linie geht es ihm dabei um die Sanierung der Wölfershäuser Straße im Kernort. Dort gelangt seit Jahren schon Salzlauge in das bestehende Kanalsystem und schädigt die Kläranlage. Die Aufarbeitung dieser Thematik bis ins kleinste Detail – auch in rechtlicher Hinsicht – treibt ihn an.

„Die Blockade in der Stadtpolitik hat dazu geführt. Zwei bis drei Jahre möchte ich noch machen, dann ist es gut. Denn Bürgermeister ist kein leichtes Amt – es frisst an den Nerven und der Gesundheit. Ich habe aber die Hoffnung auf eine andere Zusammensetzung des Parlaments. Dann werden wir auch einen neuen Bürgermeisterkandidaten finden.“

Eine dritte Amtszeit über sechs Jahre strebt Ries jedenfalls nicht mehr an. „Das habe ich meiner Frau versprechen müssen.“ Im Falle seiner Wiederwahl wird er spätestens in drei Jahren dann wieder mehr Zeit dafür haben, sich mit einem guten Buch in seinen Lesepavillon zu setzen.

Viel bewegt und erreicht

Von seiner Wiederwahl – wenn auch nicht für die volle Zeit – ist Ries überzeugt. „Ich habe in meinen beiden Amtszeiten vielen auf die Füße getreten. Sie zeugen mir aber auch Anerkennung dafür, dass wir in den vergangenen Jahren in Heringen viel bewegt und erreicht haben.“

Von Mario Reymond

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