Konzert in der Kreuzberghalle

Dorfrocker begeistern über 600 Fans in Philippsthal

Philippsthal. „Das hamma uns verdient“ – Mit der Wucht eines Überschallfliegers donnern die Dorfrocker am Freitagabend kurz vor 21 Uhr in die Philippsthaler Kreuzberghalle.

Kaum dröhnen die ersten Akkorde aus den Lautsprecherboxen und die drei Brüder in Lederhosen, Karo-Hemden und Stoffschuhen singen in breitem Fränkisch, da klatschen die ersten im Publikum begeistert mit. Gut 600 Gäste sind zur gemeinsamen Veranstaltung des Kulturweckers Philippsthal und der Hersfelder Zeitung gekommen. Der Auftritt der Stimmungsmacher ist Teil der Jubiläumsveranstaltungen im Jahr des 250. Bestehens der Hersfelder Zeitung. Als Vorgruppe hatte die Philippsthaler Band Salty Creek für Stimmung gesorgt. Das Publikum bilden Ehepaare, die die 50 bereits deutlich überschritten haben, Mitdreißiger und -vierziger, Teenager in Jeans, T-Shirt oder bauchfreiem Top und mit gezückten Smartphones. Sogar Kinder im Grundschul- und Kindergartenalter sitzen ganz vorn auf den Tischen, die den Saal zur Bühne hin abgrenzen. Die örtliche Kirmesjugend hat sich in einheitlicher Kleidung eingefunden. Einige im Saal tragen Dirndl oder Trachtenhemd, ein gutes Dutzend Frauen ist in Karo-Blusen und Lederhosen angereist. Philipp mit der wallenden Lockenmähne, Tobias, Witzbold und bei den meisten Stücken Frontsänger, sowie Markus, der Älteste der drei und zugleich Fixpunkt auf der Bühne, machen Stimmungsmusik im besten Sinne: Eingängige Melodien und eingängige deutsche Texte – natürlich durchweg mit fränkischem Akzent. Eine Mischung aus eigenen Songs, Neuinterpretationen von Gassenhauern der Großelterngeration, Erfolgstiteln volkstümlicher Interpreten wie Heino oder der Klostertaler bis hin zu Ballermann-Schlagern à la „Schatzi, schenk mir ein Foto“. All das unterlegt mit kraftvollen Gitarrenakkorden und hämmernden Schlagzeugbeats. Für den Sound sorgt neben den drei Brüdern, die Gitarre, Bass und Akkordeon spielen, eine Drei-Mann-Band: Ein Keyboarder, ein Schlagszeuger und ein Bassist, der zwischendurch auch zur Trompete oder den Bongos greift. Verliebt in Miss September Die Franken beschwören ihre Liebe zur Miss September (der Frau aus dem Kalender), zur Schwarzwald-Marie oder zu Ingeborg-Marie, die sie zur Tiefkühlpizza einladen wollen. Das Fertigggericht zaubern sie sogleich aus ihrem als Gitarrenverstärker getarnten Kühlschrank und bereiten sie im mobilen Pizzaofen auf offener Bühne zu. Das Lied vom Vogelbeerbaum wird extra für die Werragemeinde um zwei Strophen verlängert (das schönste Tal ist das Philippsthal – der schönste Ort ist der Ralfi Orth). Und immer wieder wird das Publikum zum Mitsingen oder Mitklatschen animiert. „Sie findet Lederhosen sexy“ – diese Textzeile würden einige Frauen im Saal wohl blind unterschrieben. Und spätestens als Sänger Tobias tatsächlich das Hemd mit dem Philippsthaler Wappen, das ihm einer der Kirmesburschen zugeworfen hatte, anzieht, ist den Dorfrockern die Sympathie der waldhessischen Jugend sicher. Es ist nach Mitternacht, als die Brüder zu einer der letzten Zugaben ansetzen. Das Publikum liegt sich schunkelnd in den Armen, schwenkt Feuerzeuge und singt begeistert aus voller Kehle mit: „Ich bin ein Dorfkind, darauf bin ich stolz!“.

Die Dorfrocker in Philippsthal

Rubriklistenbild: © Roda

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