Keine Angst mehr vor dem Wasser

Flüchtlingsmädchen lernen schwimmen

Dunja, Zahra, Shakiba, Tamana, Shokefe und Hala aus Afghanistan und Syrien haben keine Angst mehr vor dem Wasser und können sich schon ganz gut im kühlen Nass bewegen. Foto: Zacharias

Oberaula/Neukirchen. „Das Mädchen muss unbedingt schwimmen lernen“, dachte sich Donata von Schenck zu Schweinsberg jedes Mal, wenn sie mit ihren Enkelkindern im Oberaulaer Schwimmbad war und dort das Flüchtlingsmädchen Hala aus Syrien sah, das fröhlich am Beckenrand herumtollte. „Ein falscher Schritt, und sie liegt im Wasser“, sorgte sich die engagierte Oberaulaerin und beschloss, etwas zu tun.

Auch die meisten anderen Flüchtlinge können nicht schwimmen, doch während Jungen und Männer ganz regulär Schwimmkurse besuchen können, ist das für junge Frauen schwierig. Ihr Traditionen und religiösen Überzeugungen verbieten es ihnen, in Gegenwart von Männern Haut zu zeigen.

Donata von Schenck fand eine Lösung. Im privaten Hallenbad der Physiotherapeutin Irmgard Müller in Neukirchen ist montags normalerweise Ruhetag. Dort können die sechs Mädchen und jungen Frauen nun ganz unter sich die Angst vor dem Wasser verlieren und lernen, sich im kühlen Nass zu bewegen. Auch am Mittwoch dürfen sie in den kleinen Becken üben.

Unterricht: Mädchen und junge Frauen aus Afghanistan und Syrien lernen auf Initiative von Donata von Schenk zu Schweinsberg in einem privaten Hallenbad in Neukirchen schwimmen. Den Unterricht erteilt Karin Börner-Jöckel (hinten, Dritte von links).

Den Unterricht erteilt Schwimmlehrerin Karin Börner-Jöckel. Bis zum Ende der Sommerferien hofft sie, ihren Schülerinnen so viel Sicherheit im Wasser vermittelt zu haben, dass sie selbst weiter-üben können.

Die jungen Frauen beginnen deshalb damit, sich flach ins Wasser zu legen und die Erfahrung zu machen, dass das Wasser sie trägt. Sie üben auch, wie sie aus der Schwimmposition wieder in die Senkrechte kommen und lernen, unter Wasser die Augen offen zu halten – mit den Schwimmbrillen, die Karin Börner-Jökel verteilt, ist das kein Problem.

In den ersten Schwimmstunden hatten die Anfängerinnen noch Ringe an den Armen, die ihnen Auftrieb gaben, drei Wochen später bewegen sich vier der sechs auch ohne Unterstützung ganz munter im Wasser. Für sie gilt es nun, immer unterstützt von Karin Börner-Jökel, die Schwimmbewegungen zu üben. Auch das klappt bereits ganz gut. „Es ist ganz wichtig, dass Anfänger im Wasser sicher werden“, erklärt die Schwimmlehrerin. Zu ihrem Programm gehört es deshalb auch, ins Wasser zu springen, zu tauchen und die Erfahrung zu machen, wie es ist, plötzlich mit Kleidung im Wasser zu landen und sich dann von dem schweren, nassen Stoff zu befreien.

Sinnvoll beschäftigt

Donata von Schenck freut sich, dass ihre Schützlinge so schnell im Wasser zurechtkommen. Den Schwimmkurs während der Sommerferien findet sie nicht nur als Sicherheitsgründen wichtig, sondern auch, damit die Mädchen während der Ferien sinnvoll beschäftigt sind. Sie hofft, dass sich anschließend jemand aus dem Helferkreis findet, der die jungen Frauen und Mädchen dabei unterstützt, noch sicherer im Wasser zu werden.

Zu den Unterstützern gehört Dagny Kurz aus Oberaula. Sie kümmert sich um die Flüchtlingsfamilien und unterstützt die Mädchen dabei, dass sie immer pünktlich zum Schwimmunterricht kommen. Für Dagny Kurz und Donata von Schenck ist Schwimmen auch ein Teil der Integration. Nur geeignete Kleidung für den Wasserspaß in der Öffentlichkeit müssen die Mädchen noch finden.

Von Christine Zacharias

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