Wochenendporträt: Valentina Cojacaru aus Rumänien erzählt von ihrer Integration

Man darf nicht aufgeben

Endlich angekommen: Valentina Cojacaru stammt aus Rumänien und lebt jetzt in Hausen. Sie erzählt, wie schwierig es war, in Deutschland Fuß zu fassen. Foto: Zacharias

Oberaula. Valentina Cojacaru hat es geschafft. Vor wenigen Tagen hat sie einen Arbeitsvertrag für eine feste Stelle als Erzieherin unterschrieben. Jetzt muss sie nur noch die mündliche Prüfung bewältigen, dann kann sie ab August in einem Beruf arbeiten, der ihren Qualifikationen und Fähigkeiten entspricht. „Es ist schwer, sich als Migrantin in Deutschland zu integrieren“ , sagt Cojacaru, die vor sechs Jahren aus Rumänien gekommen ist. „Man muss sich immer wieder kümmern und darf nicht aufgeben!“

Keine Chance in Rumänien

In Rumänien hatte die Familie keine Perspektiven mehr gesehen. Die Cojacarus stammen aus Balan, einer kleinen Stadt in Transsylvanien. Als das Bergwerk dort im Jahr 2005 schloss, verloren sehr viele Menschen ihre Arbeit. Auch Valentina Cojacaru und ihr Mann Gabriel wurden schließlich arbeitslos. „In Rumänien hast Du keine Chance. Es gibt ein Jahr Arbeitslosengeld und dann keine Unterstützung mehr“, berichtet die 44-Jährige. In vielen Familien gingen dann nur die Frauen ins Ausland, nach Deutschland oder Italien, doch die Cojacarus wollten gerne als Familie zusammenbleiben. Teilweise zumindest, denn die beiden mittleren Kinder blieben in Rumänien, um auf einem Internat ihre Schule abzuschließen.

Erste Station für die Familie war Graz in Österreich, wo Valentina Cojacarus Schwester lebte. Dort fand Gabriel Cojacaru einen Job in einer Gärtnerei, aber nur für drei Monate. Als sich keine weiterführenden Perspektiven abzeichneten, ging die Familie nach Schwerin zu Gabriel Cojacarus Bruder. Ihr Mann machte sich selbständig mit einem kleinen Baugewerbe, „doch das war nicht das, was wir uns vorgestellt hatten“, erzählt Cojacaru. Auch der älteste Sohn arbeitete nach dem Abitur auf der Baustelle.

Schnell deutsch lernen

Sie selbst wollte so schnell wie möglich deutsch lernen. „Das ist der Schlüssel, um in Deutschland leben und arbeiten zu können“, ist die 44-Jährige überzeugt. Doch es dauerte erst einmal drei Monate, bis sie überhaupt einen Platz in einem Sprachkurs bekam. Also lerne sie zuhause mit Sprach-CDs und versuchte, sich irgendwie zu beschäftigen.

Eine Bekannte, die in Oberaula lebte, schlug ihr schließlich vor, nach Nordhessen zu kommen und bot ihr Hilfe an. Gabriel Cojacaru versuchte es wieder mit einem kleinen Gewerbe, denn er erhielt keine Arbeitserlaubnis. Seine Frau fand einen Ein-Euro-Job in einem Kindergarten für sechs Monate und war dann mit einer Ausnahmegenehmigung in der Gastronomie beschäftigt. „Das hat mir sehr gefallen“, erzählt sie. Doch dann habe es leider so heftige Konflikte gegeben, dass sie krank wurde und aufhören musste.

2012 wollte dann auch Tochter Estera nach dem Abitur nach Deutschland kommen. Ihre Mutter riet ihr davon ab und war soweit, wieder zurück nach Rumänien zu gehen, weil sie nicht wusste, wie sie es in Deutschland schaffen sollte.

Mit Gottvertrauen und Hartnäckigkeit

Doch dann ging es bergauf. Die Tochter kam, lernte schnell deutsch, machte ein soziales Jahr und begann eine Ausbildung als Erzieherin. Und auch die Mutter beschloss, Erzieherin zu werden und begann eine Ausbildung. Als besonders hilfreich hat sie dabei die Unterstützung der Ausländerbehörde in Homberg empfunden: „Frau Lebeus hat sich wirklich toll um mich gekümmert.“

Auch weiterhin lief nicht alles glatt bei den Cojacarus. Krankheiten, Konflikte und finanzielle Probleme mussten bewältigt werden. „Man muss glauben, dass man etwas schaffen kann und darf nicht aufgeben“, rät Valentina Cojacaru allen, die vor ähnlichen Probleme stehen. „Integration ist keine einfache Sache.“

Dazugehören gibt Kraft 

Geholfen hat der Familie auch ihr Gottvertrauen und die Zugehörigkeit zur Freikirchlichen Gemeinde in Bad Hersfeld. „Die haben uns sehr unterstützt“, erzählt Cojacaru. „Da gehören wir dazu, das gibt uns Kraft.“ Gemeinsam mit anderen haben sie nun eine rumänische Gruppe ins Leben gerufen, um sich gegenseitig zu stützen und zu helfen. Auch ihr Mann hat da eine Aufgabe gefunden: „Er kann sehr gut predigen und tut das gerne“, sagt sie.

Zu den Nachbarn in Hausen hatten die Cojacarus einen guten Draht und haben viel Unterstützung erfahren.

 Demnächst wird die Familie nach Hilperhausen umziehen, damit Valentina Cojacaru es nicht so weit bis zur ihrer Arbeitsstelle hat. „Jetzt haben wir einen Sinn für unser Leben in Deutschland gefunden. Jetzt bleiben wir hier“, freut sie sich.

Kinder haben Ausbildung 

Auch die Kinder sind inzwischen gut in Deutschland angekommen: Bogdan (24), der Älteste hat über den Fußball sehr schnell Anschluss und auch eine Lehrstelle in Oberaula gefunden. Er arbeitet jetzt als Metzger und will demnächst heiraten. Seine Freundin stammt ebenfalls aus Rumänien und hat hier eine Ausbildung als Verkäuferin gemacht.

Tochter Estera (23) ist wie die Mutter Erzieherin. Sie beginnt jetzt mit ihrem Anerkennungsjahr und ist mit einem Deutschen verheiratet. Alexandro (21) kam später nach Deutschland als seine Familie. Er besucht gerade einen Sprachkurs und beginnt dann mit einer Ausbildung als Physiotherapeut. Eduard (14) geht noch zur Schule. Er hat sich sehr schnell eingewöhnt und spricht akzentfrei deutsch.

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