Internationale Bands und mehrere hundert Besucher beim „FullMetal Osthessen“ in Niederjossa

Harter Sound für fromme Christen

Mächtig laut: Am Samstagabend stand als eine von zehn internationalen Bands „Tales of Horror“ auf der Bühne des „FullMetal-Osthessen“- Events im Niederjossaer Dorfgemeinschaftshaus. Dank riesiger Lautsprechertürme und immenser Verstärkertechnik erreichte sie leicht die Lautstärke eines startenden Düsenjets. Foto. Löwenberger

Niederjossa. Es ist erstaunlich still, als ich am Samstagabend am Niederjossaer Dorfgemeinschaftshaus ankomme. Nur das Stimmengewirr einzelner Gruppen die in und um die Halle stehen ist zu hören. Full-Metal habe ich mir irgendwie anders vorgestellt.

Und dann geht es auch schon los. Dumpfe Bässe bringen in schnellem Rhythmus die Scheiben des Hauses zum Vibrieren, der satte Sound heftig gequälter E-Gitarren quillt aus dem Inneren. Als ich kurz darauf den Saal betrete, trifft mich fast der Schlag. Die Ohren scheinen unter heftigstem Schmerz offenbar augenblicklich wegfliegen zu wollen, und der nächste Bassschlag – so fürchte ich – könnte meine Magenwand durchstoßen oder die Milz zum Reißen bringen. Schnell ein Foto und dann nichts wie raus hier, ist der einzige Gedanke der bei diesem Lärmpegel Bestand hat.

Mist. Blitz geht nicht, die Band verschwindet im bühneneigenen Nebel. Ohne Blitz? Viel zu dunkel. Bleibt nur, den Auslöser mit dem Lichtgewitter der Scheinwerferanlage irgendwie in Einklang zu bringen. Zehn Fotos, zwanzig, jetzt aber nichts wie raus hier, irgendeins wird schon dabei sein.

Zum Glück ist mittlerweile der Vorsitzende des Vereins Cross Musik, Andreas Pfeifer, auf mich aufmerksam geworden und geht mit mir hinaus. „Ohne die gehe ich da nicht rein“, ruft er, als sich die Tür hinter uns geschlossen hat, so zumindest eine Verständigung halbwegs möglich wird, und zieht zwei kleine Stöpsel aus den Ohren. Drinnen dröhnen derweil die Jungs von „Tales of Horror“ aus Bielefeld ihren Heavy Metal. 120 Dezibel sind das bestimmt, erlaubt sind 99. „Ich versuche das schon ein wenig ein zu bremsen, aber die schaukeln sich immer wieder gegenseitig hoch“, versucht Pfeifer zu erklären. „Außerdem sind die alle ein wenig schwerhörig“. Immerhin verteilt der Veranstalter Ohrstöpsel am Eingang kostenlos. Den Rest des Gesprächs führen wir dann im fast schalldichten Keller.

Wirtschaft profitiert

So oder so: Metal mag man oder man mag es nicht. Dazwischen gibt es nichts. Immerhin mehrere hundert Fans aus ganz Deutschland und sogar aus Norditalien sind zur fünften Auflage des Events nach Niederjossa gekommen. 40 von ihnen können in einem Matratzenlager über dem Festsaal kostenfrei übernachten, der Rest bevölkert die Gastronomie der umliegenden Orte. „Insofern profitieren auch die Wirtschaft und die Kommune von unserer Veranstaltung“ sagt Pfeiffer.

Im übrigen seien viele Mitglieder des eigenen Vereins, als auch Musiker und Besucher entschiedene Christen. Deshalb wurde für alle Interessierten am Sonntagvormittag auch ein Gottesdienst angeboten, in dem der amerikanische Leadgitarrist Victor Griffin erläuterte, warum er als überzeugter Christ ausgerechnet einer Band mit dem Namen Pentagram angehört.

Der Veranstalter hat zudem das Neue Testament in einer „Metal-Bibel“ herausgegeben, in der viele Künstler aus dem christlichen oder musikalischen Bereich ihre Statements zu Glauben, Gott und Christentum kundtun. Während der Veranstaltung wurden mehrere hundert Exemplare dieser Bibel an die Teilnehmer verschenkt.

Von Bernd Löwenberger

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