Flughafen Calden: Grüne wollen wissen, welche Rolle Ex-Minister Posch spielte

Wurde beim Bau gemauschelt?

Dieter Posch

Kassel/Wiesbaden. Die Landtagsfraktion der Hessischen Grünen vermutet, dass beim Bau des Flughafens Kassel-Calden möglicherweise gemauschelt wurde. Eine entsprechende Kleine Anfrage stellten jetzt die grünen Landtagsabgeordneten Karin Müller aus Kassel und Frank Kaufmann (Offenbach-Land) an die hessische Landesregierung.

Dabei hinterfragen sie vor allem die Rolle des ehemaligen Verkehrsministers Dieter Posch (FDP). Der sei bei der Kirchheimer Bickhardt Bau AG Aufsichtsrat gewesen. Bickhardt hatte in einer Bietergemeinschaft (unter anderem mit dem Kasseler Unternehmen Hermanns) die Ausschreibung sowohl für die Erdarbeiten als auch für die späteren Hochbauten des Flughafens gewonnen.

Die Grünen wollen nun unter anderem wissen, wann Posch Aufsichtsratsmitglied bei Bickhardt war und wer die Entscheidung getroffen habe, die Aufträge zu vergeben.

Nach Recherchen unserer Zeitung war Dieter Posch tatsächlich einmal Aufsichtsratsmitglied bei Bickhardt Bau. Nach Auskunft des Bauunternehmens war er das etwas über drei Jahre lang. Das Aufsichtsratsmandat habe Posch Anfang 2006 angetreten. Er sei im März 2009 als Aufsichtsratsmitglied ausgeschieden.

Das war über ein Jahr, bevor die Ausschreibungen für die Erdarbeiten im Sommer 2010 liefen. Im März 2011 fand der erste offizielle Spatenstich für den Flughafen statt.

Die Aufträge wurden europaweit ausgeschrieben. Für die Erdarbeiten hatten sich nach Informationen unserer Zeitung 15 Unternehmen beworben, mit sieben führte die Flughafen-Gesellschaft Gespräche. Aufträge wurden von deren Aufsichtsrat erteilt. Vorsitzender des Aufsichtsrats der Flughafen-Gesellschaft war bis Ende 2010 Hessens früherer Finanzminister Karl-Heinz Weimar, dann folgte der jetzige Finanzminister Dr. Thomas Schäfer.

Dieter Posch hielt sich gestern in Berlin auf. Er war telefonisch nicht zu erreichen. (tho)

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