Breitenbachs Parlament spricht sich erneut gegen Rotoren auf der Gibgeskuppe aus

Windkraft: Grün statt Rot

So könnte es aussehen: Die Fotomontage, die im Auftrag von Kritikern des Projekts erstellt wurde, zeigt vier der fünf geplanten Windkraftanlagen auf der Gibgeskuppe und im Vordergrund den Gibgeshof. Montage: nh

Breitenbach/H. Von Ohnmacht und Enttäuschung war mehrfach die Rede, als sich die Breitenbacher Gemeindevertretung am Mittwochabend erneut mit der Windvorrangfläche auf der Gibgeskuppe befasste.

Einstimmig brachten die Gemeindevertreter dabei eine erneute Stellungnahme an das Regierungspräsidium Kassel auf den Weg, in der sie sich gegen den Bau von fünf Windrädern in dem privaten Waldgebiet aussprechen. Bereits im Dezember 2013 hatten die Gemeindevertreter einen ähnlich lautenden Einwand formuliert.

In ihrer erneuten Stellungnahme bezieht sich die Gemeindevertretung auf Bedenken hinsichtlich des Natur- und Landschaftsschutzes, die auch von der oberen Naturschutzbehörde geäußert worden seien. Weiteres Anliegen der Gemeinde ist der Schutz der Bewohner des nur 600 Meter entfernten Gibgeshofs, welche Schatten- und Eiswurf, Brandgefahren, Infraschall-Immission sowie abreißende Rotorenteile fürchten – und, wie auf Hinweis von Jürgen Eidt (Bürgerforum) eingefügt wurde, aus einem Quellgebiet an der Gibgeskuppe mit Trinkwasser versorgt werden. Weiterhin gefährde ein Windpark die touristische Entwicklung der Herzberggemeinde.

40 Prozent der Vorrangfläche befinde sich im Besitz der Forstverwaltung Fuchs. Die lehne einen Windpark an dieser Stelle aus ökologischen Gründen ab und stelle ihre Flächen nicht zur Verfügung, heißt es in dem Schreiben.

Für Frohnkreuzkopf

Ausdrücklich befürwortet wird in der Stellungnahme eine Vorrangfläche am Frohnkreuzkopf. „Stellen wir damit nicht Görzhain und Weißenborn die Anlagen vor die Haustür, wie die Stadt Schlitz es bei uns getan hat“, gab Stefanie Teufel-Kietz zu bedenken. Auch von Ottrauer Seite seien im Anschluss an dieses Gebiet Mühlen geplant, erklärte Bürgermeister Volker Jaritz dazu.

Während der Debatte machten die Gemeindevertreter ihrer Enttäuschung über das Vorgehen des Regierungspräsidiums Kassel Luft: In der Abwägung zur ersten Auslegung heißt es, dass die naturschutzfachlichen Bedenken zurückgestellt werden. Das bedeutet für mich, dass es offenbar Bedenken gibt“, beklagte der Parlamentsvorsitzende Karlheinz Reuber. Die würden aber vom Regionalplan in das Genehmigungsverfahren verschoben. Hinter verschlossenen Türen sage das Regierungspräsidium dort den Investoren, was sie tun müssen, damit eine Anlage genehmigungsfähig wird.

Gerd Becker (SPD) sah in Sachen Windkraft sein Demokratieverständnis erschüttert. Eine reine Verwaltungsbehörde setze sich flächendeckend über die Beschlüsse der demokratisch gewählten Parlamente hinweg. „Vielleicht sollten mal 15 Gemeindevertretungen im Kreis auf einen Schlag geschlossen zurücktreten und sagen: Macht eure Arbeit selbst“, wetterte er.

Auch Bürgermeister Volker Jaritz wählte deutliche Worte: „Es kotzt mich an, dass ein Rotmilan ausreichen würde, um den Windpark zu stoppen. Menschen interessieren aber niemanden“. Vor der ersten Veröffentlichung des Regionalplanentwurfes sei die Gibgeskuppe „knallrot“ und damit als für Windräder tabu eingestuft gewesen. „Kaum kommt ein Investor, schon springt die Ampel direkt auf grün“, beklagte Jaritz.

Von Jan-Christoph Eisenberg

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