250 Dinge, die wir an der Region mögen (152): Die Burg Herzberg

Wehrhaftes Wahrzeichen

Vor dem Tor der Burg Herzberg, an deren Fuß jedes Jahr tausende Hippies ein friedliches Miteinander feiern, kämpften im Mittelalter Ritter. Foto: Urban

Breitenbach/H. Man sieht sie schon von weitem aus allen Himmelsrichtungen: Die Burg Herzberg krönt den 508 Meter hohen Basaltkegel, auf dem sie Marschall Heinrich von Romrod im 13. Jahrhundert errichten ließ. Heute locken die geschichtsträchtige Umgebung, die Stille des Waldes, die grandiose Aussicht, Feiern und Feste viele Besucher zum Wahrzeichen der Großgemeinde Breitenbach am Herzberg.

Die Lage des Hirzberg (= Hirschberg), so der alte Name, direkt an der Heer- und Handelsstraße „Durch die kurzen Hessen“, mag ausschlaggebend für den Bau gewesen sein, den der Marschall 1298 seinem Landesherrn, Landgraf Heinrich I. von Hessen, zum Lehen übertrug.

In den Besitz derer von Dörnberg kam die Burg Herzberg 1477 durch Landgraf Heinrich III. Dieser ernannte den Amtmann Hans von Döringenberg zum Landhofmeister und belehnte ihn mit der Burg Herzberg. Hans von Dörnberg und sein Festungsbaumeister Hans Jakob von Ettlingen vergrößerten und sicherten die Burg so, dass sogar Edelsteine, Perlen und das legendäre Einhornschwert der Reichskleinodien dort aufbewahrt wurden.

Während des 30-jährigen Krieges fanden angeblich bis zu tausend Menschen aus den umliegenden Dörfern für längere Zeit Aufnahme in ihren Mauern. In dieser Zeit galt die Burg Herzberg wegen ihrer strategisch wichtigen Lage als Landesfeste und wurde mehrfach von kaiserlichen Truppen bestürmt, aber nie eingenommen.

Selbst die Generale Fugger und Tilly belagerten sie 1631 und 1635 erfolglos. Noch heute begrüßt die Linde die Besucher der Burg, die zum Ende des 30-jährigen Krieges vor dem Zugang zum Burgtor gepflanzt wurde. Südlich der Burganlage, auf dem Waldfriedhof „In den Schanzen“, ruhen die Freiherrn von Dörnberg und ihre Angehörigen.

Im Siebenjährigen Krieg (1756 - 1763) beherbergte die Burg Herzberg abwechselnd Verbündete und Franzosen. Eine hessische Garnison befand sich bis 1786 auf der Burg. Wer heute hierher kommt, findet keine Herberge mehr, doch das imposante Bauwerk erzählt noch immer viel vom historischen Leben hinter seinen bis zu fünf Meter dicken Wehrmauern. In der Vorburg lockt die Burgschänke mit einem guten Mahl. Gleich daneben waren Schmiede, Rüstkammern, Magazine und die „Batterie“ mit Geschützen untergebracht.

In der Hochburg sind Rittersaal, Wohnturm, Gefechtstürme und -kammern, die gotische Kapelle mit Grabtafeln und vieles mehr zu entdecken. Unter dem mittleren, nach Süden gelegenen Gerichts- und Gefängnisturm befindet sich der Kerker, in den die Gefangenen durch eine Öffnung im Deckengewölbe hinabgelassen wurden.

Wer genau hin hört, kann vielleicht den einen oder anderen Geist noch klagen hören oder den unterirdischen Gang zum Hof Huhnstadt wieder finden. Ob Gefangene ihn gruben oder belagerte Dorfbewohner und ob es noch mehr unterirdische Gänge gab, bleibt Spekulation.

Atemberaubende Aussicht

Der Blick von den sonnenbeschienenen Türmen der Hochburg über das hessische Bergland vom Taunus über die Rhön bis zum Thüringer Wald lässt die finsteren Seiten des Mittelalters vergessen.

Von Dagmar Urban

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